Kartellamt lehnt Bundesliga-Fernsehvertrag ab – und wer denkt an die Qualität?

Heute hat das Kartellamt den TV-Vertrag zwischen Deutscher Fußball-Liga (DFL) und der Frau-Kirch-Firma Sirius abgelehnt. Begründung: Es müsse sichergestellt werden, dass die deutschen Fanshop-Besucher vor 20 Uhr eine Zusammenfassung der Spiele im Free-TV sehen können. Dann wiederum könne man auch mit der Zentralvermarktung leben. Interessante Argumentation. Denn eigentlich müssten sich jedem aufrechten Kartelli die gescheitelten Haare hochstellen, wenn er den Begriff „Zentralvermarktung“ auch nur hört. Die widerspricht ja nun jedem Sinn von Wettbewerb.

Doch das eigentliche Ärgernis ist die rein quantitativ geführte Diskussion. Dabei wird – leider auch von vielen Medienleuten – gar nicht mehr berücksichtigt, dass mit Zustandekommen des Deals die redaktionelle Qualität extrem gefährdet wäre. Schließlich wollten Kirch und DFL ganz nebenbei ein eigenes Bundesliga-TV aufziehen, das dann künftigen Pay-TV-Rechteinhabern die komplette journalistische Dienstleistung in Bild und Ton abnehmen sollte. Dies wurde von den beiden Partnern sogar noch als Vorteil verkauft; schließlich könnten sich dadurch noch mehr Interessenten um dieses Rechtepaket bewerben.

Dass mit der Zentralredaktion auch jede Unabhängigkeit verloren gehen würde, war kein Thema. Warum auch? Fußball ist ein so schönes Spiel, da ist es doch egal, wer was wie produziert. So scheint jedenfalls die Denke der Funktionäre zu sein. Wohin eine hauseigene Fußball-Produktion führen kann, zeigte die Europameisterschaft im Juni. Hier hatte sich der europäische Fußballverband Uefa die Herstellung der Bewegtbilder vorbehalten. Ausschnitte von Fans in den Stadien wurden sorgfältig ausgefiltert. Fußball ist so schön, da soll bitteschön auch nur heile Welt gezeigt werden. Dass da mal ein Feuerchen im Block abgefackelt wird oder sich Fans in die Haare kriegen, wird von der Regie eilfertig abgewürgt.

Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie künftig die meist eh schon erbärmlichen Infield-Interviews nach den Spielen bei „Bundesliga-TV“ ablaufen würden. Es dürften wohl kaum noch andere Fragen gestellt werden als „Wie fühlen Sie sich?“ und „Wie läuft es sich in den schönen neuen Schuhen des Sponsors?“.

Um die technischen Risiken einer solchen Monopolisierung soll hier mal der Mantel des Testbilds gehüllt werden. Die sechs Minuten Sendepause beim EM-Spiel Deutschland gegen Türkei lassen herzlich grüßen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: