Wolfsburg gegen Wolfsburg = Wark

Kaum ist der Fußball aus seinem Winterschlaf erwacht, schon drängen wieder Gestalten ans Mikrofon, die dort nachweislich nichts zu suchen haben. Der absolute Prototyp dieser Gilde nennt sich „Thomas Wark“ (wenn dieser Name denn stimmt oder richtig ausgesprochen wird). Dieser Mann, der „Fachmann“ andauernd mit „fachfremd“ verwechselt, hat gestern wieder zugeschlagen: bei der Übertragung des DFB-Pokal-Spiels Wolfsburg gegen Schalke. Hier ein kurzes Arbeitsprotokoll:

@Namen:
Mit Abstand Warks häufigste Fehlerquelle. Bei jedem anderen würde man entschuldigend eine kurze Konzentrationsschwäche annehmen. Wark ist dagegen aufgrund der andauernden Häufigkeit langsam wohl ein Logopäde zu empfehlen. Den brasilianischen Spieler Grafite spreche man „Grafitsch“ aus. Diese investigative Errungenschaft präsentierte uns Wark in einer seiner vorhergehenden Meisterreportagen. Und wir glauben ihm gerne. Gestern hieß Grafite erst „Grafitsch“, dann „Grafitsche“, nochmal „Grafitsche“ und wieder „Grafitsch“. Spricht für Wark, dass er sich immerhin nur zwischen zwei Varianten nicht entscheiden kann.
Nächster Fall: der Brasilianer Josue. Wie der korrekt auf Portugiesisch ausgesprochen wird, verriet uns Wark gestern leider nicht. Das von ihm gewählte „Joshua“ dürfte es aber bestimmt nicht sein.
Besonders schön gelang ihm die Aussprache des Wolfsburgers Karimow. Hierbei entfleuchte ihm ein rollendes R, gefolgt von mehreren nicht zuordenbaren Vokalen, noch dazu in leicht gelallter Form. Wunderbar! Der Autor dieser Zeilen verstand in etwa „Krrrrrrimoaa“. Vielleicht handelt es sich dabei um eine bisher unbekannte Tennisspielerin aus der Slowakei, die Wark exklusiv entdeckt hat?
Fast schon vernachlässigenswert erscheint dagegen das „Kschünowack“ anstelle des korrekten „Kschünoweck“ für das polnische Konsonanten-Wunder Krzynowek.

@Zuschauer für blind (und damit blöd) halten:
Wahrscheinlich hat Wark im Winter die Zeit genutzt und eine zünftige Reporter-Nachhilfestunde genommen. Dabei hat man ihm wohl gesagt: „Du musst immerzu Spannung in deinen Reportagen aufbauen!“ Und wie der eifrige Thomas ist, hat er das gleich befolgt – leider in völlig überzogener Weise: Da schießt Schalke ein Tor, indem der Schuss des Gelsenkircheners abgefälscht und der gegnerische Torhüter Benaglio angeschossen wird. Von da aus prallt der Ball für alle nicht abgelenkten oder total besoffenen Zuschauer ersichtlich ins Tor. Und so kommentierte der eifrige Wark die Szene:
„Was ist das für’n Tor? (…) Peter Löwenkrands lässt sich feiern, aber ist er auch der Torschütze? (Huihuihui, zitterzitterzitter, spannende Sekunden bis zur Auflösung vergehen, d.Red.) (…) Benaglio wird angeschossen!“

@Fachlich kompletten Schwachsinn daherreden:
Auch dies ist eine Spezialität, die Wark immer wieder gelingt. Gestern hatte er entweder keine Ahnung, oder er kann links und rechts nicht voneinander unterscheiden. Jedenfalls sagte Wark über den allseits bekannten RECHTSverteidiger Rafinha, als der VON RECHTS eine Flanke Richtung gegnerischen Strafraum schlug: „Rafinha… Ausnahmsweise mal auf der rechten Seite.“
Ist der Rest der geschilderten Punkte vielleicht noch unter „launige Brabbelei“ zu verbuchen, wird es hier kritisch für Herrn Wark. Denn man sollte schon etwas vom Thema der eigenen Reportage verstehen. Ansonsten gerät man leicht in den Verdacht, vielleicht aus anderen Gründen ans Mikrofon gelangt zu sein – vielleicht, weil man als Sohn von Ex-ZDF-Sportredakteur Oskar Wark über beste Verbindungen verfügt.

@Zu komplexe Satz-Gebilde sind des Reporters Ende:
„Wolfsburg 1995 zuletzt in einem Elfmeterschießen. Damals gegen Eintracht Frankfurt und Vestenbergsgreuth. (Laut Wark kann man also ein letztes Elfmeterschießen gegen zwei Teams gleichzeitig austragen, d.Red.) Aber heute heißt der Gegner – Wolfsburg!“ Logik und Sinn? Unbekannt.

Übrigens: Thomas Wark ist jüngst zur Belohnung für seine Leistungen in den EM-Reporterkader berufen worden – wie übrigens auch sein großer Konkurrent um die Auszeichnung „Wegschwätzer des Jahres“, Wolf-Dieter Poschmann. Und für so jemand zahlen wir Gebühren!

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