„Ich will auch mal was fragen!“

Journalisten auf Pressekonferenzen lassen sich bequem in vier Arten unterteilen. Besonders gut zu beobachten war dies gestern auf der Pressekonferenz des FC Bayern München mit der Vorstellung von Jürgen Klinsmann als neuem Trainer. Da gibt es Journalisten, die sagen die ganze Zeit über nichts. Dann befinden sich in der Schar auch Teilnehmer, die kluge Fragen stellen. Diese haben meist mit einem fachspezifischen Thema zu tun. In diesem Fall zum Beispiel: „Wen werden Sie in Ihr Trainerteam aufnehmen?“ Weiterhin gibt es Journalisten, die überflüssige Fragen stellen, wie etwa: „Freut sich Ihre Mutter, dass sie ihre Enkel bald wieder öfter sehen kann?“ Dass der Botnanger Bäckersohn darauf mit „Nein!“ antworten würde, kann der geschätzte Fragesteller wohl nicht ernsthaft erwartet haben. Und was der Redakteur nun mit der von ihm hart erarbeiteten Antwort anfangen will, ist ebenfalls unklar.

Und dann gibt es noch ein paar Menschen, die zur Kategorie „Ich bin hier. Ich bin wichtig. Wichtiger als das Thema der heutigen Veranstaltung. Ich will unbedingt auch mal was fragen!“ gehören. Meist kommen solche Menschen aus dem Fernsehbereich. Gestern hörte man eine Frauenstimme in görenhaft rotzigem Ton fragen: „Herr Klinsmann, haben Sie eigentlich den Trainerschein?“ Es bedurfte nicht großer Medien-Affinität, um die 60-Zichten-am-Tag-Röhre einer gewissen Isabella Müller-Reinhardt zuzuordnen. Klinsmanns Reaktion auf diesen Wortmüll war wunderbar: Erst offenbarte sein Blick eine Unsicherheit darüber, ob er die Frage als persönliche Beleidigung auffassen sollte. Dann antwortete er lächelnd mit einem einfachen „Ja“. Doch der Tonfall legte ein unterschwelliges „So eine blöde Frage habe ich in meiner langen Karriere noch nie gehört“ nahe. Völlig zu Recht übrigens. Frau Müller-Reinhardt schob dann noch ein „Wir waren uns hier nicht sicher, ob Sie den Schein haben“ hinterher. Fraglich, wen die ehemalige 9Live-Schreierin damit meinte. Wahrscheinlich hatte sie eine Entourage aus ihrem privaten Umfeld mitgebracht und damit professionellen Kollegen den Platz weggenommen.

zapp3 findet: Leute wie Isabella Müller-Reinhardt sind eine Schande für den Beruf des Journalisten. Diesen Menschen geht es nicht ums Informieren von Zuschauern, Zuhörern, Lesern oder Usern. Es geht ihnen nicht darum, einen guten Job für ihre Zielgruppe zu machen. Diesen Menschen geht es nur um sich. Sie sind Selbstdarsteller, die ernsthaft glauben, nur weil sie mal eine Zeitlang Geldkoffer im TV verkloppt haben und optisch massenattraktiv erscheinen, seien sie tolle Journalisten. Hoffentlich nehmen solche Menschen im Journalismus nicht irgendwann überhand. Wehret den Anfängern!

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