Langeweile im Telezoo

Gestern startete die neue Staffel von „Big Brother“, und Premiere machte seinen Abonnenten ein unwiderstehliches Angebot: Guckst du Big-Brother-Kanal zwei Tage für lau und kannst du krasse Menschen glubschen. Nachdem mich gestern noch eine unsichtbare Kraft davon abgehalten hatte, ging ich heute einen Kompromiss mit mir ein: 30 Minuten Tollhaus live, und dann ist aber mal gut.

Gleich nach dem Einschalten sehe ich einen dicken Mann in einer versifften Badewanne liegen und sich mit einem Schlauch abspritzen. Bei genauem Hinsehen stellt sich schnell heraus, dass der Siff nur an die Wanne dekoriert wurde – und zwar derartig schlecht, dass es einem auch ohne HD-Fernseher auffällt. Der Dicke beginnt sich mit einer Stimme aus dem Off über Tatoos zu unterhalten. „Auf den Popo lasse ich mir keines machen“, beruhigt die Off-Stimme den Zuschauer. Gott sei Dank, schließlich ist bei dem Oberbruder sonst fast kein Platz mehr am Körper unbemalt. „Was willst du dir da auch drauftätowieren?“ fragt der Dicke zu Recht, „schließlich sitzt du da ja jeden Tag drauf.“ Eine Logik, der man nur schwer widerstehen kann.

Schnitt. Jetzt befinden wir uns in der Armen-Küche und bestaunen einen coolen Jungspund mit Kopftuch, wie er ein Mittagessen zu zaubern versucht. Die Strategie des Gerichts wird dem Zuschauer nicht sofort klar. Er schneidet Gurken, kocht auf dem Herd ein paar Bockwürste und Reis und sagt einem Girl mit weggetretenem Gesichtsausdruck, sie solle gleich eine Sahnesauce dazu kochen. Vor ihm stehen verwirrenderweise zwei Dosen mit Hühnersuppe.

Schnitt. Jetzt befinden wir uns im Esszimmer. Das der Armen grenzt direkt an das der Reichen. „Reich“ bedeutet bei Big Brother: nicht-dreckdekorierte Waschbecken und Wein statt Limo. Wie lebensnah! Und Reiche wie Arme diskutieren lebhaft darüber, ob ein Zungenpiercing bei einer Frau die Eichel des Mannes besser stimuliert als ein ungelochter Lappen. Überhaupt: „Ich hatte mal einen Freund mit gepiercter Eichel. Der sagte mir, dass hätte ihm sehr weh getan“, hört man aus dem Off. Wie beruhigend. Da kann man richtig mitfühlen – vor allem als Mann.

Bin gespannt, wie so viel Lebensnähe gleich zu Beginn noch getoppt werden soll. Vielleicht jagt RTL2 ein paar Bauern durch die Anlage. Die könnte man bestimmt kurzfristig beim großen Bruder RTL ausborgen. Aber den Machern fällt bestimmt noch etwas Besseres ein. Da bin ich optimistisch. Eichel hin oder her.

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