„Zum Saubermachen Henkelsachen“

Die Zeit zwischen den Jahren hat einen großen Vorteil: Vor lauter Besinnlichkeit hat man plötzlich Zeit für Dinge, die man das ganze Jahr über aufgeschoben hat – DVDs gucken, zum Beispiel; oder Fernseh-Sendungen, die immer nur in der Weihnachtszeit ausgestrahlt werden und selbst zu diesem Zeitpunkt überflüssig sind. Und dann macht es viel Spaß, die TV-Berichterstattung in den Tageszeitungen zu konsumieren. Beispiele gefällig?

Im Bereich „DVD“ war für mich endlich die Zeit gekommen, um „The Good German“ zu gucken. Ein Film in Schwarz-Weiß, im Stil der 40er-Jahre, mit George Clooney in der Hauptrolle. Angesichts der heutigen Sekundenschnitt-Sehgewohnheiten bot der Streifen ein wunderbares Back-to-the-roots-Erlebnis. Den heimlichen Höhepunkt stellte allerdings eine schnöde Pappkiste dar. Auf der stand etwas, das auch nach mehrmaliger Wiederholung nur folgendermaßen zu entziffern war: „Zum Saubermachen Henkelsachen“ – Henkelsachen unterstrichen. Immer wieder klasse, wenn Amis einen Film machen wollen, der in Deutschland spielt. Da muss ja nicht immer alles einen Sinn ergeben – dachte ich. Doch etwas Recherche im Web ergab, dass es sich dabei tatsächlich um einen Perwoll-Slogan der damaligen Zeit handelte. Wieder schlauer geworden – Soderbergh sei Dank …

Neben der Wiederholung einiger Schimanski-Krimis (die guten aus den 80er-Jahren, wohlgemerkt) gab es zwei TV-Sendungen, die völlig grenzwertig und damit absolut sehenswert waren: das „Traumschiff“ mit Harald Schmidt und die Abschieds-Gala für Dieter Thomas Heck. Schmidt versuchte sich wieder mal aussichtslos als Schauspieler. Vielleicht dreht er bald mit seinem Liebling Pocher den Film „Der Idiot 2“. Das wäre den beiden bei aller latent vorhandenen Selbstüberschätzung durchaus zuzutrauen. Selbstüberschätzung und Schauspielerei – dies sind die Stichworte für einen ganz Großen der deutschen Fernsehunterhaltung: Dieter Thomas Heck. Der Mann glaubt tatsächlich, er könne die Hauptrolle in einem ZDF-Freitagskrimi spielen. Herrlich! Aber Wayne Carpendale spielt ja auch bald den „Landarzt“. Wer weiß, was uns darüberhinaus noch bevorsteht …

Herrlich war auch die Berichterstattung von Bild über die Heck-Gala. Da wurde die Anzahl der verteilten Bussis gezählt und hinterher besorgt gefragt, ob durch die Brachial-Busselei des erkälteten Heck nicht die gesamte Schlager-Gilde grippal infiziert worden sei. Volontären und sonstigen Interessierten, die wissen wollen, wie man als Boulevard-Journalist die Saure-Gurken-Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr kreativ überbrückt, sollten dringend den Online-Auftritt der Vier-Buchstaben-Kollegen aus der Caffamacherreihe besuchen. Prosit Neujahr!

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