Dick aufgetragen

Wer sich am Dienstag Abend locker berieseln lassen will, ist bei der ARD gut aufgehoben. Da kommt „Der Dicke“ mit Dieter Pfaff; eine Serie, bei der alles irgendwie beschwingt und etwas abgehoben zuzugehen scheint, obwohl durchaus eine Menge zwischenmenschlicher Konflikte beschrieben werden. Diese manchmal etwas zu große Lockerheit liegt schon an der Grundidee: Menschenfreundlicher Anwalt vertritt bevorzugt Menschen ohne Geld und kann sich trotzdem eine schicke Wohnung in Hamburg samt teurer Anzüge leisten. Doch mit der Folge vom letzten Dienstag wollte Drehbuchautor Thorsten Näter wohl unbedingt den „far from reality award“ gewinnen. So etwas Blanko-Reales zeigt die ARD sonst nicht einmal im „Großstadtrevier“: Da überfällt ein Mandant vom „Dicken“ eine Bank und nimmt Geiseln. Die Polizei sperrt das Gelände weiträumig ab, die Anspannung erreicht ihren Höhepunkt. Doch während in Krimi-Serien jetzt irgendein Wichtigtuer in ein Funkgerät spricht und Anweisungen gibt, tritt in diesem Fall der „Dicke“ über die Absperrung und läuft mitten durch den gesicherten Bereich. Er betritt ungehindert die Bank und überredet seinen Mandanten letztendlich zur Aufgabe. Eigentlich hätten jetzt nur noch wie bei Regisseur John Woo ein paar Friedenstauben durch die Szenerie fliegen müssen – beim Gebührensender ARD hätten es auch ein paar Luftballons getan.

„Der Dicke“ ist wunderbar beruhigende Familienunterhaltung mit größtenteils sehr guten Darstellern. Doch wenn die Hauptfigur zu einem Superhelden hochstilisiert wird, macht die Serie schnell keinen Spaß mehr. Hoffentlich war’s vorgestern nur die Ausnahme.

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