Training mit Pseudo-Profis

Es stimmt: Auch früher war in der ARD-Sportschau nicht immer alles das Gelbe vom Ei. Da berichtete Moderator Adolf Furler, seine Kollegen hinter den Kulissen hätten „gearbeitet wie die Kümmeltürken“, um einen Bericht noch schnell fertigzustellen. Da dankte „Mr. Emotional“ Fritz Klein einmal nach einem Spitzenspiel zwischen dem HSV und Bayern München „beiden Mannschaften dafür, dass sie heute gegeneinander gespielt haben“. Und so weiter und so fort. Doch trotz allem handelte es sich dabei um Unzulänglichkeiten, die daraus entstanden, dass die handelnden Personen einen guten Job machen wollten und dabei leicht übers Ziel hinaus schossen.

Was die Gebührenzahler aber heute in der 18-Uhr-Schrottschau als Hirnkrampf vorgesetzt bekamen, stellt einen neuen düsteren Rekord in der Geschichte des sportjournalistischen TV-Schwachsinns auf: Den Großteil dieser Sendeminuten-teuren halben Stunde füllte ein öffentliches Showtraining der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Es wurde locker ausgelaufen, „Field-Reporter“ Waldemar Hartmann ließ sich von den Einlaufenden abtätscheln und Torwart Jens Lehmann wurde von einem Fan schriftlich zum „Wink ma“ aufgefordert. Absolute Highlights der Sportgeschichte, die sich die ARD-Sportredaktion wohl damit rechtfertigte, dass ja 30.000 Gratis-Karteninhaber im Stadion waren und somit ein großes öffentliches Interesse zu bestehen schien. Stimmt, liebe Sport-Redaktion; die 30.000 Menschen hatten sicherlich ein großes Interesse daran, ihre Stars mal aus der Nähe zu sehen und vielleicht für die Kinder ein Autogramm abzustauben. Der sonntägliche Sofasitzer tat sich dagegen mit dem Unterschriftengang etwas schwerer, sodass der Bericht elend zäh und – viel schlimmer – völlig gehaltlos geriet. Gott sei Dank kamen zur gleichen Zeit „Die Simpsons“, was den Ärger schnell verrauchen ließ.

Was bei dem öffentlichen Training wirklich passierte, erklärte übrigens Bundestorwarttrainer Andreas Köpke kurze Zeit vorher dem ZDF in seinem Statement in der „SPORTreportage“: Es werde am Tag nach dem Spiel nur etwas gelaufen, dann ein bisschen Training und ein Spielchen. Wirklich wichtige Elemente gebe es nur in Geheimtrainings, der Sinn solcher öffentlichen Trainings sei fraglich. Vielleicht sollten auch Sportschau-Redakteure ab und zu mal die öffentlich-rechtliche Konkurrenz einschalten. In der „SPORTreportage“ lief übrigens eine tolle Reportage von Albert Knechtel über Peladao, das größte Straßenfußballturnier der Welt. Kompliment!

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