Erst denken, dann schreiben!

Großes Lob mal wieder für unsere Sportjournaille, weil sie sich so einmütig zeigt – beim voneinander Abschreiben. Jüngstes Beispiel ist der FC Bayern München und seine angeblich neue Abwehrspieler-Errungenschaft mit dem Künstlernamen Breno. Die Online-Sportmedien gingen dabei geradezu exemplarisch vor wie so häufig: „Es existiert ein Gerücht, und wir müssen es unbedingt bringen, weil die anderen bringen es ja auch, aber wir haben gar keine Infos über den Sachverhalt, egal, wir bringen es trotzdem und fügen einfach eine Pseudo-Info an, das merkt der Leser bestimmt nicht, weil das so gut klingt, obwohl es totaler Schwachsinn ist.“ So oder so ähnlich funktionieren leider die Gedankengänge vieler Online-Sportredakteure hierzulande. Wie anders ist zu erklären, dass von Bild über Sport1 bis Spox sämtliche Autoren zufällig auf denselben Gedanken kamen, die kolportierte Ablösesumme von 14 Millionen Euro mit den Summen für die vermeintlichen Mitspieler Toni und Klose zu vergleichen. Toni und Klose kosteten weniger, und da wurden unterschwellig die Fragen gestellt: „Darf ein 18-Jähriger mehr kosten als die Weltklasse-Spieler Toni und Klose? Zahlt Bayern zuviel?“

Ehrlich gesagt, solche Gedankengänge kann ich in bierseligen Stammtischrunden problemlos nachvollziehen. Doch von Sportjournalisten erwarte ich ein bisschen mehr Hirn beim Formulieren der Texte. Der Ablöse-Vergleich ist schlicht hirnrissig (von dem Rückschluss auf die fußballerische Qualität mal ganz zu schweigen): So ist nicht nur die Ablösesumme für den Kauf eines Spielers entscheidend, sondern das Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt über die Vertragslaufzeit. Und da dürfte Toni mit seinen angeblichen elf Millionen Euro Jahressalär im Paket weit vor Breno liegen. Das gleiche dürfte für Klose gelten. Dass die Damen und Herren Sportjournalisten über diesen Sachverhalt Bescheid wissen, will ich ihnen gerne zuschreiben. Doch dann ist der Grund für solche Pseudo-Infos klar: „Lass uns einfach mal ein paar Emotionen bei den Lesern schüren. Vielleicht ist dann sogar einer bereit, in unserem Forum einen Beitrag zu posten.“ Das hat für die Sportmenschen dann auch noch den Vorteil, dass sie die User-leeren Foren nicht mit unter Pseudonym selbst geschriebenen Beiträgen künstlich aufmotzen müssen. So werden Medien zum Selbstzweck, bei dem es nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um die Rechtfertigung von Technik geht. Und der Leser? Wird wieder mal für blöd verkauft.

Kleiner Tipp: Vielleicht beim nächsten Mal nicht gleich auf den Zug aufspringen, sondern erstmal Fakten sammeln. Wir Leser werden es euch danken – wenn wir euch dann noch lesen wollen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: