Hoch heben – tief fallen

Dr. Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, hat recht. Qualität im Journalismus kommt von „Qual“. Soll heißen: Für eine journalistisch gehaltvolle Geschichte muss man hart arbeiten – Netzwerke nutzen, recherchieren und vieles mehr. Dass dieser Grundsatz immer mehr in Vergessenheit gerät, zeigt zurzeit besonders der deutsche Sportjournalismus. Beispiel-Thema Bayern München: Da erzielt dieser Verein in der Bundesliga zwei Mal in Folge kein Tor – schon ist von „Frust“ (Kicker, 5.11.) die Rede, werden die Minuten ohne Tor von Bayern-Stürmer Klose gezählt (Bild online, 6.11.), ist Bremen-Spielmacher Diego sowieso viel besser als Bayern-Pendant Ribéry (Sport-Bild, 7.11.). Wie gut, dass alle zusammen zuvor das Bayern-Team fälschlicherweise in galaktische Höhen befördert haben (11.8.-2.11.). Um so tiefer kann man es bei erster Gelegenheit stürzen lassen und viele leere Seiten füllen. Neben dem fachlichen Unsinn – zwischen den beiden torlosen Spielen fand ein DFB-Pokalspiel statt, in dem beide Bayern-Stürmer trafen – ist diese Vorgehensweise geradezu idealtypisch für einen Großteil des heutigen Sportjournalismus‘: Es ist so wunderbar einfach, solcherlei Geschichten zu stricken. Gehaltvoll sind sie jedoch nicht – und interessant für den Leser auch nicht. Der ist nämlich nicht so blöd, wie ihn viele Sportredaktionen halten.

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