Vollformatierter Beckmann

Es muss schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass „Beckmann“ auf meinem Fernsehgerät länger als fünf Sekunden eingeschaltet bleibt. So lange dauert es gewöhnlich, bis ich mich nach dem Kachelmann-Wetter aus den Sofakissen herausgeschält und die Fernbedienung erreicht habe. Gestern geschah jedoch Außergewöhnliches: Wann sieht man schon mal Loriot im Gespräch – den großen Humor-Hoppenstedt?

Da Loriot alias Vicco von Bülow mit seinen mittlerweile 83 Jahren eine ganze Menge zu erzählen hatte, gerieten die folgenden 120 Minuten nicht allzu zäh. Was allerdings stark auffällt, ist Beckmanns einzigartige Variante des journalistischen Interviews. Vielleicht würde „Stichwortgeben“ den Sachverhalt treffender umschreiben. Man kann sich bei „Beckmann“ des Eindrucks nicht erwehren, ein Talk-Theaterstück zu verfolgen, das seit mehreren Wochen einstudiert wurde. Die Redaktion schreibt Beckmann das Drehbuch und dieser handelt die Erkenntnisse dann Punkt für Punkt ab. Dass früher Interviews mal aus Neugier des Fragenden geführt wurden, scheint Rudimentär-Reinhold noch niemand eingeflüstert zu haben.

So nahm das Gespräch seinen vorformatierten Lauf, innerhalb dessen sich der Eindruck verfestigte, das Ganze sei ausschließlich eine Werbeveranstaltung für Loriots neues DVD-Paket. In diesem Fall von einer vergebenen Chance zu sprechen, wäre erstens unhöflich gegenüber den früheren Gästen und würde dem Moderator unrecht tun. Er weiß es einfach nicht besser, will es aber unbedingt immer besser wissen.

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