Altherrenshow jetzt mit Enkel

Die beste Nachricht zuerst: Peter Rütten ist wieder an Bord! Der Meister der Einspiel-Filmchen war schon als „Kai Edel“ bei der (ab 2001) wunderbaren „Harald Schmidt Show“ auf Sat.1 mit dabei. Er war sozusagen der verkappte Überraschungsgast beim Start von „Schmidt & Pocher“. Dass Helmut Zerlett wieder mitmacht, war bereits im Vorfeld durchgesickert. A propos Zerlett: Der durfte einmal etwas sagen und hatte damit bereits einen höheren Redeanteil als sein Bandleader-Vorgänger in den zweieinhalb Jahren zuvor. Zerlett nutzte diesen Freiraum nicht etwa für einen pointierten Dialog mit den Moderatoren, sondern zur Eigenwerbung. Damit fügte er sich nahtlos in den Rest der Show ein – eine Show der vergebenen Chancen.

Chance 1: Harald Schmidt läuft zur Hochform auf. Wer dies erwartet hatte, darf sich getrost zu den unverbesserlichen Schmidt-Jüngern zählen. Die werden irgendwann auch glauben, die Erde sei eine Scheibe – wenn es nur aus dem Mund von Gottvater Harald käme. Nein, Schmidt hat seine Ankündigungen wahr gemacht. Er hat keine Lust mehr aufs Fernsehmachen und liefert weiterhin eine Leistung ab, die mit den von ihm selbst taxierten „500 Euro inklusive Mehrwertsteuer“ noch weit überbezahlt ist. Wohlgemerkt: Selbst in dieser katastrophalen Verfassung liefert Schmidt noch den einen oder anderen Höhepunkt ab. Das zeigt, auf welch hohem Niveau er einst mal gewesen ist. Es wäre fair, wenn Schmidt seine Gage nach Shows wie gestern an karitative Einrichtungen überweisen würde.

Chance 2: mehr Spritzigkeit durch Oliver Pocher. Dass er schlagfertiger und dynamischer ist als sein Vorgänger Andrack, ist das Positive an seiner Anwesenheit. Dass er sich mit seinem Mentor Schmidt noch einspielen muss, sei ihm zugestanden. Doch der insgeheime Wunschtraum der ARD-Oberen, Pocher möge möglichst viele Schmidt-Fans binden und bei der Stange halten, wenn der Altmeister demnächst aussteigen sollte, dürfte seit gestern zerplatzt sein. Pocher kann – auch entgegen seiner eigenen Einschätzung – intellektuell nicht mit Schmidt mithalten. Er ist schlagfertig, kann mehr schlecht als recht parodieren und ansonsten ziemlich viel Mist erzählen. All das trifft auch auf Schmidt zu; doch dank Schmidts Bildung geht dessen Arbeit in eine satirisch-zynische Richtung. Pocher dagegen kann sich fast ausschließlich auf Kosten anderer lustig machen – und das meist auf respektlose, dümmliche Art. Was sich hinter seiner provozierenden Fassade versteckt, konnten die Zuschauer bewundern, als er den „Bregenzer See“ in die Schweiz verlagerte. Das toppt zwar nicht „Brüh im Lichte dieses Glückes“, kommt dem aber bereits verstörend nahe. Schade für alle humor-darbenden Schmidt-Fans und traurig für Deutschland!

Chance 3: Günther Jauch als Gast. Anstatt ihn verstärkt in die Sendung einzubinden, ließ man ihn in bemühten Gesprächs-Situationen kaum zu Wort kommen und schickte ihn nach kürzester Zeit wieder in die Deko. Kompliment an die Ablauf-Planer dieser Show!

Fazit: Für so etwas wie „Schmidt & Pocher“ möchte man seine Gebühren schnellstens zurücküberwiesen bekommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: