Viel Zeit für nichts

Veröffentlicht in TV am November 26, 2007 von MedienMister

Das „Aktuelle Sportstudio“ hat einen unschlagbaren Vorteil gegenüber der „Sportschau“: Durch den späteren Sendezeitpunkt können spieltagsrelevante Ereignisse viel intensiver recherchiert und neue Erkenntnisse für die Zuschauer gewonnen werden – so lautet jedenfalls das Selbstverständnis des ZDF. Dass zwischen gut gemeint und gut gemacht oft Welten liegen, bewiesen die ZDF-Reporter Thomas Wark und Rolf Töpperwien am Samstag bei ihrer Berichterstattung über das Bundesliga-Spiel Bayern München gegen VfL Wolfsburg. Nachdem Bayern-Spieler Willy Sagnol bereits in der „Sportschau“ völlig überraschend seine Wechselabsichten bekanntgegeben hatte, erwartete der Zuschauer im „Aktuellen Sportstudio“ dann weitere Aufklärung. Die schien sich von höchst kompetenter Stelle anzubahnen, schließlich hatte Rolf Töpperwien Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld zum großen Interview vors Mikrofon gebeten.

Was dann jedoch folgte, lässt sich mit „Trauerspiel“ nur unzureichend umschreiben. Das große Interview war nicht live, sondern wurde zu einem Zeitpunkt aufgezeichnet, als Turbo-Töppi und Hitzfeld noch gar nichts von der Sagnol’schen Verbal-Eruption wissen konnten. An sich kein Problem – doch anstatt sich vom Bayern-Trainer später noch einmal ein Exklusiv-Statement zu holen, begnügte sich die Sportstudio-Redaktion mit der größtmöglichen Dünnbrett-Variante: Sie wiederholte einfach nur die Sagnol-Äußerung, die wir Zuschauer bereits aus der „Sportschau“ kannten. So ein „Sportstudio“ kann sich das ZDF künftig sparen und stattdessen Marianne & Michael senden. Auch Heino braucht ja zurzeit wohl etwas Kohle.

Training mit Pseudo-Profis

Veröffentlicht in TV am November 18, 2007 von MedienMister

Es stimmt: Auch früher war in der ARD-Sportschau nicht immer alles das Gelbe vom Ei. Da berichtete Moderator Adolf Furler, seine Kollegen hinter den Kulissen hätten „gearbeitet wie die Kümmeltürken“, um einen Bericht noch schnell fertigzustellen. Da dankte „Mr. Emotional“ Fritz Klein einmal nach einem Spitzenspiel zwischen dem HSV und Bayern München „beiden Mannschaften dafür, dass sie heute gegeneinander gespielt haben“. Und so weiter und so fort. Doch trotz allem handelte es sich dabei um Unzulänglichkeiten, die daraus entstanden, dass die handelnden Personen einen guten Job machen wollten und dabei leicht übers Ziel hinaus schossen.

Was die Gebührenzahler aber heute in der 18-Uhr-Schrottschau als Hirnkrampf vorgesetzt bekamen, stellt einen neuen düsteren Rekord in der Geschichte des sportjournalistischen TV-Schwachsinns auf: Den Großteil dieser Sendeminuten-teuren halben Stunde füllte ein öffentliches Showtraining der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Es wurde locker ausgelaufen, „Field-Reporter“ Waldemar Hartmann ließ sich von den Einlaufenden abtätscheln und Torwart Jens Lehmann wurde von einem Fan schriftlich zum „Wink ma“ aufgefordert. Absolute Highlights der Sportgeschichte, die sich die ARD-Sportredaktion wohl damit rechtfertigte, dass ja 30.000 Gratis-Karteninhaber im Stadion waren und somit ein großes öffentliches Interesse zu bestehen schien. Stimmt, liebe Sport-Redaktion; die 30.000 Menschen hatten sicherlich ein großes Interesse daran, ihre Stars mal aus der Nähe zu sehen und vielleicht für die Kinder ein Autogramm abzustauben. Der sonntägliche Sofasitzer tat sich dagegen mit dem Unterschriftengang etwas schwerer, sodass der Bericht elend zäh und – viel schlimmer – völlig gehaltlos geriet. Gott sei Dank kamen zur gleichen Zeit „Die Simpsons“, was den Ärger schnell verrauchen ließ.

Was bei dem öffentlichen Training wirklich passierte, erklärte übrigens Bundestorwarttrainer Andreas Köpke kurze Zeit vorher dem ZDF in seinem Statement in der „SPORTreportage“: Es werde am Tag nach dem Spiel nur etwas gelaufen, dann ein bisschen Training und ein Spielchen. Wirklich wichtige Elemente gebe es nur in Geheimtrainings, der Sinn solcher öffentlichen Trainings sei fraglich. Vielleicht sollten auch Sportschau-Redakteure ab und zu mal die öffentlich-rechtliche Konkurrenz einschalten. In der „SPORTreportage“ lief übrigens eine tolle Reportage von Albert Knechtel über Peladao, das größte Straßenfußballturnier der Welt. Kompliment!

Erst denken, dann schreiben!

Veröffentlicht in Online am November 17, 2007 von MedienMister

Großes Lob mal wieder für unsere Sportjournaille, weil sie sich so einmütig zeigt – beim voneinander Abschreiben. Jüngstes Beispiel ist der FC Bayern München und seine angeblich neue Abwehrspieler-Errungenschaft mit dem Künstlernamen Breno. Die Online-Sportmedien gingen dabei geradezu exemplarisch vor wie so häufig: „Es existiert ein Gerücht, und wir müssen es unbedingt bringen, weil die anderen bringen es ja auch, aber wir haben gar keine Infos über den Sachverhalt, egal, wir bringen es trotzdem und fügen einfach eine Pseudo-Info an, das merkt der Leser bestimmt nicht, weil das so gut klingt, obwohl es totaler Schwachsinn ist.“ So oder so ähnlich funktionieren leider die Gedankengänge vieler Online-Sportredakteure hierzulande. Wie anders ist zu erklären, dass von Bild über Sport1 bis Spox sämtliche Autoren zufällig auf denselben Gedanken kamen, die kolportierte Ablösesumme von 14 Millionen Euro mit den Summen für die vermeintlichen Mitspieler Toni und Klose zu vergleichen. Toni und Klose kosteten weniger, und da wurden unterschwellig die Fragen gestellt: „Darf ein 18-Jähriger mehr kosten als die Weltklasse-Spieler Toni und Klose? Zahlt Bayern zuviel?“

Ehrlich gesagt, solche Gedankengänge kann ich in bierseligen Stammtischrunden problemlos nachvollziehen. Doch von Sportjournalisten erwarte ich ein bisschen mehr Hirn beim Formulieren der Texte. Der Ablöse-Vergleich ist schlicht hirnrissig (von dem Rückschluss auf die fußballerische Qualität mal ganz zu schweigen): So ist nicht nur die Ablösesumme für den Kauf eines Spielers entscheidend, sondern das Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt über die Vertragslaufzeit. Und da dürfte Toni mit seinen angeblichen elf Millionen Euro Jahressalär im Paket weit vor Breno liegen. Das gleiche dürfte für Klose gelten. Dass die Damen und Herren Sportjournalisten über diesen Sachverhalt Bescheid wissen, will ich ihnen gerne zuschreiben. Doch dann ist der Grund für solche Pseudo-Infos klar: „Lass uns einfach mal ein paar Emotionen bei den Lesern schüren. Vielleicht ist dann sogar einer bereit, in unserem Forum einen Beitrag zu posten.“ Das hat für die Sportmenschen dann auch noch den Vorteil, dass sie die User-leeren Foren nicht mit unter Pseudonym selbst geschriebenen Beiträgen künstlich aufmotzen müssen. So werden Medien zum Selbstzweck, bei dem es nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um die Rechtfertigung von Technik geht. Und der Leser? Wird wieder mal für blöd verkauft.

Kleiner Tipp: Vielleicht beim nächsten Mal nicht gleich auf den Zug aufspringen, sondern erstmal Fakten sammeln. Wir Leser werden es euch danken – wenn wir euch dann noch lesen wollen.

Fast-Frank macht keinen Spaß

Veröffentlicht in TV am November 15, 2007 von MedienMister

Was dem Burger-Freund sein Fast-Food, sollte gestern bei „hart aber fair“ dem ARD-Zuschauer der Fast-Frank sein. Thema war der Rücktritt von Arbeitsminister Müntefering. Da dieses Ereignis gerade einmal einen Tag zurücklag, wurde zum Stricken der Sendung die berühmte heiße Nadel benutzt – leider mit vorhersehbaren Folgen. Denn die gestrige Ausgabe von Plasbergs preisgekrönter Sendung zeigte Altbekanntes: Ohne vernünftige Vorbereitung durch die Redaktion ist der beste Moderator hilflos, verkommt das beste Format zum Müdigkeits-Motivator.

Schon bei der Auswahl der Gäste haute die Redaktion daneben. Wer Heißkocher wie die Bundestags-Fraktionschefs Kauder (CDU/CSU), Struck (SPD) und Gysi (Linkspartei) in ein und dieselbe Sendung einlädt, kann konkrete Gesprächsergebnisse im Sinne des Publikums von vornherein vergessen. Wenn dann noch die restlichen Gäste versagen und vollfundierte Äußerungen bringen wie der Unternehmer Martin Richenhagen mit „Frau Künast fand ich als Landwirtschaftsministerin schlecht. Herr Seehofer macht das gut“, dann kann auch der beste Moderator nichts mehr rausreißen. Ich jedenfalls war froh, als ich nach einer halben Stunde immer wieder zu „Joachim Bublath“ zappen konnte. Der hatte wenigstens etwas zu sagen.

Nebel um Acht

Veröffentlicht in TV am November 14, 2007 von MedienMister

Seit vielen Jahren gönne ich mir einen Luxus: Vor 11 Uhr morgens bleibt der Fernseher ausgeschaltet. Heute war ich jedoch dekadent und habe um 8 Uhr eingeschaltet. Ich fühlte mich wie ein Forscher, ein Fernseh-Frischling, der beim Zappen völlig neue Seiten an diesem faszinierenden Medium entdeckt.

Am meisten beeindruckt hat mich 3Sat mit der Sendung „Alpenpanorama“. Darin liefern automatisch gesteuerte Kameras Bilder von den Berggipfeln der 3Sat-Länder, dazu gibt’s Uhrzeit, Wetterdaten und für die frühe Vormittagszeit erstaunlich gewagte Schrammelmusik. Als ich reinzappte, war gerade das wunderschöne Tirol dran. Die Einblendung am Bildrand gab eine Luftfeuchtigkeit von 100% an – kein Wunder also, dass man außer einer weißen Wand nichts erkennen konnte. Und irgendwie beruhigend, so lag es nicht an mentaler Insuffizienz des Betrachters oder technischen Problemen des geliebten Ausstrahlungsgerätes.

Den ganz Neugierigen unter den Panorama-Aktivisten sei der Bayerische Rundfunk empfohlen. In der gleichzeitig ausgestrahlten Sendung mit dem eingängigen Titel „Panoramabilder / Bergwetter“ kann man als Appetithäppchen schon mal vorab schauen, was in Obergurgl wettertechnisch so abgeht.

Leider bin ich beim Zappen nicht weitergekommen. Irgendwann erfasste mich die Panorama-Panik, und ich fühlte mich ähnlich benebelt wie die Landschaft von Tirol. Vielleicht morgen wieder …

Fun mit dem Anti-Spaß-Radio

Veröffentlicht in Radio am November 12, 2007 von MedienMister

Auf der Medienseite der Süddeutschen Zeitung stand am Wochenende eine halbseitige Hommage an einen längst vergessenen Radiosender – den Deutschlandfunk. Dank gebührt Autor Benjamin Henrichs, der in unserer geistesamputierten Formatradiozeit zu Recht darauf hinweist, dass man auch anders Radio machen kann. Nirgendwo sonst wacht man sonntags mit „Geistlicher Musik“ auf und hört im weiteren Tagesverlauf Sendungen wie „Das Sportgespräch“. Henrichs’ Charakterisierung des DLF ist vollkommen zutreffend: „Der Deutschlandfunk ist das Anti-Spaß-Radio schlechthin. Was zum Vergnügen des Radiohörers erheblich beiträgt. Er ist der Sender, der mit Fleiß gehört (…) werden muss – unmöglich, ihn schnöde als Geräuschkulisse oder Klangteppich zu benutzen.“ Als leidenschaftlicher DLF-Hörer möchte ich an dieser Stelle noch drei weitere Sendungen hervorheben, die man sich als rotationsgeschädigter Superduperwellen-Hörer unbedingt anhören sollte: „Klassik, Pop etcetera“ – eine Sendung, in der ein Prominenter seine Lieblingssongs vorstellt und die Klangwelt des Hörers durchaus erweitern kann; die „Verkehrsnachrichten“ – sie kommen tagsüber halbstündlich und erweitern das regional eingeschränkte Spektrum an Autobahnausfahrten erheblich, weil hier das „Dreieck München-Allach“ genauso vorkommt wie das „Maschener Kreuz“ bei Hamburg; und nicht zuletzt der Seewetterbericht. Den kann man sich leider nur per Mittelwelle über die Ohren rauschen lassen. Richtungsbestimmungen wie „Nord-NordOOOOOst“ oder Fahrrinnen-Behinderungen wie „Anker verloren“ erlebt man nur hier. Unheimlich erholsam und jedem Hörer nur zu empfehlen.

Hoch heben – tief fallen

Veröffentlicht in Print am November 7, 2007 von MedienMister

Dr. Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, hat recht. Qualität im Journalismus kommt von „Qual“. Soll heißen: Für eine journalistisch gehaltvolle Geschichte muss man hart arbeiten – Netzwerke nutzen, recherchieren und vieles mehr. Dass dieser Grundsatz immer mehr in Vergessenheit gerät, zeigt zurzeit besonders der deutsche Sportjournalismus. Beispiel-Thema Bayern München: Da erzielt dieser Verein in der Bundesliga zwei Mal in Folge kein Tor – schon ist von „Frust“ (Kicker, 5.11.) die Rede, werden die Minuten ohne Tor von Bayern-Stürmer Klose gezählt (Bild online, 6.11.), ist Bremen-Spielmacher Diego sowieso viel besser als Bayern-Pendant Ribéry (Sport-Bild, 7.11.). Wie gut, dass alle zusammen zuvor das Bayern-Team fälschlicherweise in galaktische Höhen befördert haben (11.8.-2.11.). Um so tiefer kann man es bei erster Gelegenheit stürzen lassen und viele leere Seiten füllen. Neben dem fachlichen Unsinn – zwischen den beiden torlosen Spielen fand ein DFB-Pokalspiel statt, in dem beide Bayern-Stürmer trafen – ist diese Vorgehensweise geradezu idealtypisch für einen Großteil des heutigen Sportjournalismus’: Es ist so wunderbar einfach, solcherlei Geschichten zu stricken. Gehaltvoll sind sie jedoch nicht – und interessant für den Leser auch nicht. Der ist nämlich nicht so blöd, wie ihn viele Sportredaktionen halten.

Riss im Segel

Veröffentlicht in Print am November 3, 2007 von MedienMister

Seit dem 5. Oktober dieses Jahres erscheint die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit einem Bild auf der Titelseite; und seit diesem revolutionären Akt hat die Redaktion Probleme bei der Auswahl eines Bildes, das der Bedeutung gerecht wird. Das behauptet nicht irgendwer, das gab Werner D’Inka, einer der Herausgeber der FAZ, am 31.10. bei DWDL.de höchstselbst zu Protokoll. Wie hörig die Redaktion auf die Worte ihres Oberen reagiert, zeigte sie gleich in der Ausgabe des Folgetags. Hier zierte ein Riss im Sonnensegel der internationalen Raumstation ISS die erste Seite. An sich eine hübsche Idee, doch leider entschied man sich in der Redaktion „abgespacederweise“ gegen einen Zoom auf die entscheidende Stelle. Stattdessen überließ man dem Leser die Aufgabe, das luftleere Loch zu finden.

Bleibt nur die Erkenntnis: Bildsprache will gelernt sein – sogar in Frankfurt. Der MedienMister drückt für alle weiteren Versuche kräftig die Daumen und wird die weitere Entwicklung gespannt verfolgen.

Vollformatierter Beckmann

Veröffentlicht in TV am Oktober 30, 2007 von MedienMister

Es muss schon etwas Außergewöhnliches passieren, dass „Beckmann“ auf meinem Fernsehgerät länger als fünf Sekunden eingeschaltet bleibt. So lange dauert es gewöhnlich, bis ich mich nach dem Kachelmann-Wetter aus den Sofakissen herausgeschält und die Fernbedienung erreicht habe. Gestern geschah jedoch Außergewöhnliches: Wann sieht man schon mal Loriot im Gespräch – den großen Humor-Hoppenstedt?

Da Loriot alias Vicco von Bülow mit seinen mittlerweile 83 Jahren eine ganze Menge zu erzählen hatte, gerieten die folgenden 120 Minuten nicht allzu zäh. Was allerdings stark auffällt, ist Beckmanns einzigartige Variante des journalistischen Interviews. Vielleicht würde „Stichwortgeben“ den Sachverhalt treffender umschreiben. Man kann sich bei „Beckmann“ des Eindrucks nicht erwehren, ein Talk-Theaterstück zu verfolgen, das seit mehreren Wochen einstudiert wurde. Die Redaktion schreibt Beckmann das Drehbuch und dieser handelt die Erkenntnisse dann Punkt für Punkt ab. Dass früher Interviews mal aus Neugier des Fragenden geführt wurden, scheint Rudimentär-Reinhold noch niemand eingeflüstert zu haben.

So nahm das Gespräch seinen vorformatierten Lauf, innerhalb dessen sich der Eindruck verfestigte, das Ganze sei ausschließlich eine Werbeveranstaltung für Loriots neues DVD-Paket. In diesem Fall von einer vergebenen Chance zu sprechen, wäre erstens unhöflich gegenüber den früheren Gästen und würde dem Moderator unrecht tun. Er weiß es einfach nicht besser, will es aber unbedingt immer besser wissen.

Zum Tod von Evelyn Hamann

Veröffentlicht in TV am Oktober 29, 2007 von MedienMister

Am heutigen Tag ist Evelyn Hamann gestorben. Ihr Tod reißt eine riesige Lücke. Denn Evelyn Hamann war ein Profi. Wir vor den Fernsehgeräten konnten uns auf drei Dinge bei ihr immer verlassen: Sie hat auch die lustigsten Rollen ernsthaft vorbereitet, fachlich in 1A-Qualität gespielt und uns immer wieder zum Lachen gebracht. Ihr Verlust wird auch dem Letzten wohl erst dann deutlich werden, wenn nur noch die Daily-Soap-Schrottspieler da sind und über den Bildschirm dilettieren.

Evelyn Hamann wird ganzen TV-Generationen im Gedächtnis bleiben – vor allem natürlich als kongeniale Partnerin von Vicco von Bülow alias Loriot. Doch auch als sittenstrenge Haushälterin Karsta Michaelis in der „Schwarzwaldklinik“ oder als Mitglied im Team der NDR-Radiosatire-Sendung „Reißwolf“ wird sie mir persönlich in bester Erinnerung bleiben. Ich bin mit Ihnen und Ihren Rollen zusammen erwachsen geworden, Frau Hamann. Sie werden mir fehlen.