Archiv nach Kategorie "Wirtschaft"

Kartellamt lehnt Bundesliga-Fernsehvertrag ab – und wer denkt an die Qualität?

Veröffentlicht in Wirtschaft mit Tags , , , am Juli 24, 2008 von MedienMister

Heute hat das Kartellamt den TV-Vertrag zwischen Deutscher Fußball-Liga (DFL) und der Frau-Kirch-Firma Sirius abgelehnt. Begründung: Es müsse sichergestellt werden, dass die deutschen Fanshop-Besucher vor 20 Uhr eine Zusammenfassung der Spiele im Free-TV sehen können. Dann wiederum könne man auch mit der Zentralvermarktung leben. Interessante Argumentation. Denn eigentlich müssten sich jedem aufrechten Kartelli die gescheitelten Haare hochstellen, wenn er den Begriff „Zentralvermarktung“ auch nur hört. Die widerspricht ja nun jedem Sinn von Wettbewerb.

Doch das eigentliche Ärgernis ist die rein quantitativ geführte Diskussion. Dabei wird – leider auch von vielen Medienleuten – gar nicht mehr berücksichtigt, dass mit Zustandekommen des Deals die redaktionelle Qualität extrem gefährdet wäre. Schließlich wollten Kirch und DFL ganz nebenbei ein eigenes Bundesliga-TV aufziehen, das dann künftigen Pay-TV-Rechteinhabern die komplette journalistische Dienstleistung in Bild und Ton abnehmen sollte. Dies wurde von den beiden Partnern sogar noch als Vorteil verkauft; schließlich könnten sich dadurch noch mehr Interessenten um dieses Rechtepaket bewerben.

Dass mit der Zentralredaktion auch jede Unabhängigkeit verloren gehen würde, war kein Thema. Warum auch? Fußball ist ein so schönes Spiel, da ist es doch egal, wer was wie produziert. So scheint jedenfalls die Denke der Funktionäre zu sein. Wohin eine hauseigene Fußball-Produktion führen kann, zeigte die Europameisterschaft im Juni. Hier hatte sich der europäische Fußballverband Uefa die Herstellung der Bewegtbilder vorbehalten. Ausschnitte von Fans in den Stadien wurden sorgfältig ausgefiltert. Fußball ist so schön, da soll bitteschön auch nur heile Welt gezeigt werden. Dass da mal ein Feuerchen im Block abgefackelt wird oder sich Fans in die Haare kriegen, wird von der Regie eilfertig abgewürgt.

Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie künftig die meist eh schon erbärmlichen Infield-Interviews nach den Spielen bei „Bundesliga-TV“ ablaufen würden. Es dürften wohl kaum noch andere Fragen gestellt werden als „Wie fühlen Sie sich?“ und „Wie läuft es sich in den schönen neuen Schuhen des Sponsors?“.

Um die technischen Risiken einer solchen Monopolisierung soll hier mal der Mantel des Testbilds gehüllt werden. Die sechs Minuten Sendepause beim EM-Spiel Deutschland gegen Türkei lassen herzlich grüßen.

Das Imperium schlägt zurück

Veröffentlicht in Wirtschaft am September 27, 2007 von MedienMister

Wer sagt eigentlich, dass Unternehmer in Deutschland immer jung, dynamisch und Brioni-gekleidet sein müssen? Wahrscheinlich die Werbung und diverse Talk-Runden mit Ewigkeits-Gästen wie Utz Claasen oder Rene Obermann. Doch die Realität sieht anders aus. Zum Beweis braucht man sich nur einen gewissen Leo K. aus M. anzuschauen. Der Mann baute sich ein Medien-Imperium auf. Mit 75 ging er pleite. Doch anstatt danach gemütlich zuhause vor dem Fernseher zu sitzen und nostalgisch ProSieben, Premiere oder einen anderen ehemals eigenen Sender einzuschalten, ging Leo K. weiter in sein Büro. Dass dieses sich nicht mehr in Ismaning vor den Toren Münchens, sondern mitten in der Stadt befand, störte ihn anscheinend nicht.

Jetzt ist Leo Kirch zurück. Er hält neuerdings Anteile an der EM.Sport Media AG. Die wiederum ist im Sportrechte-Geschäft tätig, hat einen TV-Sender (DSF), ein Online-Portal (Sport1) und vieles mehr. Sieht ganz nach einem kleinen Imperium aus. Nicht schlecht für einen 81-jährigen Jungunternehmer! Es wird spannend sein, seine weiteren Aktivitäten zu beobachten.

Neuer Medienberuf

Veröffentlicht in Wirtschaft am August 7, 2007 von MedienMister

Was haben Claudine de Montulé und Sybille Weischenberg gemeinsam? Abgesehen davon, dass man mit solchen Namen sicherlich auch tolle Plastikpott-Partys schmeißen könnte – die beiden Damen gehören zur wachsenden Berufsgruppe der „Promi-Expertin“, oft auch „Society-Expertin“ genannt. Diese Damen lesen Zeitschriften wie „Neue Revue“, „Frau aktuell“ und viele andere Fachblätter. Dann setzen sie sich auf eine Parkbank, bekommen ein Mikro unter die Nase gehalten und erzählen, was sie über Pitt Brett und Antschelina Jölli denken: „Das wird kein gutes Ende nehmen“ und dergleichen mehr.

Ein schöner neuer Berufszweig! Musste man sich früher beim Kaffeekränzchen von noch dickeren und noch lauteren Haargefärbten über den Mund fahren lassen, wenn man seine Weisheiten über die aktuellen Hollywood-Stars zum Besten geben wollte, so kann man heute seine Weisheiten ungestört verbreiten – und bekommt auch noch Geld dafür.

Ich persönlich könnte mir so einen Job auch gut vorstellen – vor allem im Fußball-Bereich. Aber da gibt es ja schon Udo Lattek.

Was ProSieben-Aktionäre alles interessiert

Veröffentlicht in Wirtschaft am Juli 23, 2007 von MedienMister

Schlechte News für alle Feinde der bösen, bösen Kapitalisten: Die Heuschrecken zeigen menschliche Züge. Zu beobachten auf der Hauptversammlung der ProSiebenSat1 Media AG am 17. Juli. Hier einige Auszüge der wichtigsten Fragen, die selbst den Aufsichtsratsvorsitzenden Götz Meuser leicht aus der Fassung brachten:

  • Warum musste ich für meinen Parkplatz zahlen, während der Vorstand umsonst parkt?
  • Wieso habe ich heute meine Unterlagen nicht erhalten? (Antwort: Die Unterlagen wurden zugeschickt, der Aktionärs-Kumpel hatte wohl vergessen, vor der Fahrt auf seinen kostenpflichtigen Parkplatz in seinen Briefkasten zu schauen.)
  • Warum war der Weg zur Messehalle so schlecht ausgeschildert? (Antwort: Bei der benutzten Schilderbedrucksoftware konnten maximal 20 Zeichen ausgegeben werden. Da muss man sich schon mal auf das Wesentliche beschränken …)
  • Wieso durften wir heute um 9:30 Uhr noch nicht in den Saal, wo doch um 10:00 Uhr bereits die Versammlung beginnt? (Antwort: Wir wollten nichts verheimlichen und haben uns auch nicht vor den Aktionären verbarrikadiert.)

Wenn es derart menschelt, lassen sich auch die Entlassungen von 180 Mitarbeitern leichter verdauen. Wobei nicht überliefert ist, ob sich nicht doch ein Teilnehmer über das Essen beschwert hat.