Archiv nach Kategorie "TV"

Aus für „Schmidt & Pocher“

Veröffentlicht in TV mit Tags , , , , , , am Dezember 27, 2008 von MedienMister

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Der Leser verzeihe mir bitte diesen emotionalen Einstieg. Aber gute Nachrichten sollten auch entsprechend gewürdigt werden dürfen. Wie Spiegel Online meldet, hat Schmidt-Produzent Fred Kogel das Ende für den Late-Night-Versuch „Schmidt & Pocher“ angekündigt. Laut dem Geschäftsführer der Firma Kogel & Schmidt soll die Sendung im April 2009 auslaufen.

„Das war von vornherein ein zeitlich begrenztes Experiment – und zwar von beiden Seiten“, behauptet Kogel. Eine Begründung, die angesichts der widersprüchlichen Aussagen von Schmidt und Pocher in der letzten Zeit nicht unbedingt nachvollziehbar erscheint. Vor kurzem noch hatte Schmidt eine Verlängerung der gemeinsamen Zusammenarbeit in Erwägung gezogen. Als weiteren Grund für das Aus von „Schmidt & Pocher“ nennt Kogel: „Schmidt spielt im Duo sein Potential nicht aus.“

Zu den weiteren Plänen erklärt Kogel gegenüber dem Spiegel: „Wir haben ganz klare Vorstellungen, wo wir hinwollen.“ In einem Wahljahr „will man Schmidt auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert“. Es gehe darum, „die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt, vergleichbar mit dem US-Polit-Komiker Jon Stewart – aber eben Harald Schmidt.“

zapp³ findet ein werktägliches Late-Night-Format mit 30 Minuten Länge und einer Mischung aus Standup und Einspielern optimal. Werktäglich bedeutet übrigens von Montag bis Freitag – nur als kleiner Hinweis für die ARD-Intendanten.

Dass es mit „Schmidt & Pocher“ so nicht weitergehen konnte, war schon vor Kogels Ankündigung klar. Unübersehbar zeigte sich, dass die beiden nicht zueinander passen. Negativer Höhepunkt war die Intimsekret-Döschen-Nummer von Lady Bitch Ray Anfang dieses Jahres. Und dass die Menge an Parodien nicht gleichzeitig bedeutet, dass diese stimmig sind, sollte Pocher auch endlich begreifen. Zum Beispiel sollte ihm  jemand klarmachen, dass ein bloßes Augen zusammenkneifen und Trikot anziehen nicht automatisch eine tolle Oliver-Kahn-Parodie ergibt.

Bleibt nur zu hoffen, dass Schmidt sein altes Niveau überhaupt noch einmal erreichen kann. Und Pocher sollte endlich wieder dorthin gehen, wo er hingehört. Zu einer Sendergruppe mit überhöhten Rendite-Erwartungen, in der er nach spätestens einem halben Jahr von McKinsey wegrationalisiert und durch Jürgen Milski ersetzt wird.

Viele Dank für der Sendung

Veröffentlicht in TV mit Tags , , , , , , , am August 27, 2008 von MedienMister

Für 30 Minuten hat die deutsche Sprache nur noch einen einzigen bestimmten Artikel – und der heißt „der“. Das ist nur eine von vielen Erkenntnissen, die uns „Der Popolski Show“ letzten Sonntag beschert hat. Darüber hinaus konnte man feststellen, dass beim produzierenden WDR wohl jemand einen Nostalgischen bekommen zu haben scheint. Denn seit „Schmidteinander“ hat man vom Kölner Sender nichts derart Anachristisches mehr zu sehen bekommen. Eigentlich kein Wunder. Hinter dieser Sendung steckt Achim Hagemann. Der hat Ende der 80-er Jahre schon „Total normal“ mit Hape Kerkeling verbrochen. Wer die Sendung damals nicht gesehen hat, weiß spätestens beim Wort „Hurz“, was gemeint ist. Damals in der Volkshochschule am Klavier: Achim Hagemann („May be, we could repeat the second set an play it.“).

Das Konzept von „Der Popolski Show“ ist wunderbar beknackt: Eine polnische Familie aus Zabrze hackt sich ins WDR-Programm und produziert aus der heimischen Plattenbausiedlung im 12. Stock eine Late-Night-Show. Die hat nur ein einziges Ziel: die Welt darüber aufzuklären, dass es Opa Popolski war, der damals die Pop-Musik erfunden hat. Dabei kommt es immer wieder zu Sendeausfällen, die erholsamer sind als so manches andere Programm auf diesem Sendeplatz. Zum Beweis für ihre durchgeknallte Musiktheorie spielt die hauseigene Band aus einer Vielzahl von Brüdern und Neffen Hits wie „Sex Bomb“ als Hochgeschwindigkeits-Polka. Außerdem singt hier nicht Tom Jones, der den Song ja eh nur geklaut hat, sondern der einzig wahre Tomek Popolski. Außerdem treten Gaststars auf, die gestehen, dass ihre Musik tatsächlich von Opa Popolski stammt. Dieses Mal war Thomas Anders via Dia-Leinwand zugeschaltet, der dann auch gleich den einzigen Song anstimmte, den er und Dieter Bohlen nicht für Modern Talking verwendet haben: „Ei Dobrze Dobrze Dralla“ – ein Titel, den man ohne Probleme als legitimen Nachfolger von „Das ganze Leben ist ein Quiz“ bezeichnen kann.

Insgesamt drei Folgen will der WDR von dieser Zwerchfell-erschütternden Show zeigen. Man kann nur hoffen, dass es noch einige mehr werden.

Nettes Detail am Rande: Fans der Götz-Alsmann-Band konnten bei „Der Popolski Show“ erleben, was aus dem ehemaligen Mitglied Ludwig Götz geworden ist. Er ist jetzt auch ein Popolski und spielt in Zabrze die Posaune.

ARD: Neue Idee fürs Quotenloch

Veröffentlicht in TV mit Tags , , , , , , am Juli 15, 2008 von MedienMister

Zwischen 18:50 Uhr und 19:20 Uhr könnte man bei der ARD auch ein Testbild senden. Das würde Gebührengelder sparen und die bisher erzielten Marktanteile bestimmt toppen. Die Neuauflage eines Uralt-Quiz’ namens „Pssst…“ brachte ebenso wenig Erfolg wie die turbo-schleimige Anbiederei ans Privat-Publikum namens „Bruce“. Die Quintessenz aus diesen an Phantasielosigkeit nicht zu überbietenden redaktionellen Leistungen: Drama, Drama, Drama!

Doch jetzt soll Abhilfe geschaffen werden. Laut kress plant die ARD eine neue Serie, die anscheinend sehr durchdacht ist und in keinen Rahmen passt. Sie läuft über 200 Folgen, sei aber laut Sender „keine Telenovela“. Es geht um eine Frau, die sich gegen die Übernahme ihrer Firma durch Heuschrecken zur Wehr setzt, was aber laut kress „locker, leicht und unterhaltsam daherkommen“ soll. Vielleicht können ja ein paar (ehemalige) Nokia-Mitarbeiter aus Bochum darüber lachen. Wie gesagt, man könnte auch ein Testbild senden…

Wolfsburg gegen Wolfsburg = Wark

Veröffentlicht in TV am Januar 31, 2008 von MedienMister

Kaum ist der Fußball aus seinem Winterschlaf erwacht, schon drängen wieder Gestalten ans Mikrofon, die dort nachweislich nichts zu suchen haben. Der absolute Prototyp dieser Gilde nennt sich „Thomas Wark“ (wenn dieser Name denn stimmt oder richtig ausgesprochen wird). Dieser Mann, der „Fachmann“ andauernd mit „fachfremd“ verwechselt, hat gestern wieder zugeschlagen: bei der Übertragung des DFB-Pokal-Spiels Wolfsburg gegen Schalke. Hier ein kurzes Arbeitsprotokoll:

@Namen:
Mit Abstand Warks häufigste Fehlerquelle. Bei jedem anderen würde man entschuldigend eine kurze Konzentrationsschwäche annehmen. Wark ist dagegen aufgrund der andauernden Häufigkeit langsam wohl ein Logopäde zu empfehlen. Den brasilianischen Spieler Grafite spreche man „Grafitsch“ aus. Diese investigative Errungenschaft präsentierte uns Wark in einer seiner vorhergehenden Meisterreportagen. Und wir glauben ihm gerne. Gestern hieß Grafite erst „Grafitsch“, dann „Grafitsche“, nochmal „Grafitsche“ und wieder „Grafitsch“. Spricht für Wark, dass er sich immerhin nur zwischen zwei Varianten nicht entscheiden kann.
Nächster Fall: der Brasilianer Josue. Wie der korrekt auf Portugiesisch ausgesprochen wird, verriet uns Wark gestern leider nicht. Das von ihm gewählte „Joshua“ dürfte es aber bestimmt nicht sein.
Besonders schön gelang ihm die Aussprache des Wolfsburgers Karimow. Hierbei entfleuchte ihm ein rollendes R, gefolgt von mehreren nicht zuordenbaren Vokalen, noch dazu in leicht gelallter Form. Wunderbar! Der Autor dieser Zeilen verstand in etwa „Krrrrrrimoaa“. Vielleicht handelt es sich dabei um eine bisher unbekannte Tennisspielerin aus der Slowakei, die Wark exklusiv entdeckt hat?
Fast schon vernachlässigenswert erscheint dagegen das „Kschünowack“ anstelle des korrekten „Kschünoweck“ für das polnische Konsonanten-Wunder Krzynowek.

@Zuschauer für blind (und damit blöd) halten:
Wahrscheinlich hat Wark im Winter die Zeit genutzt und eine zünftige Reporter-Nachhilfestunde genommen. Dabei hat man ihm wohl gesagt: „Du musst immerzu Spannung in deinen Reportagen aufbauen!“ Und wie der eifrige Thomas ist, hat er das gleich befolgt – leider in völlig überzogener Weise: Da schießt Schalke ein Tor, indem der Schuss des Gelsenkircheners abgefälscht und der gegnerische Torhüter Benaglio angeschossen wird. Von da aus prallt der Ball für alle nicht abgelenkten oder total besoffenen Zuschauer ersichtlich ins Tor. Und so kommentierte der eifrige Wark die Szene:
„Was ist das für’n Tor? (…) Peter Löwenkrands lässt sich feiern, aber ist er auch der Torschütze? (Huihuihui, zitterzitterzitter, spannende Sekunden bis zur Auflösung vergehen, d.Red.) (…) Benaglio wird angeschossen!“

@Fachlich kompletten Schwachsinn daherreden:
Auch dies ist eine Spezialität, die Wark immer wieder gelingt. Gestern hatte er entweder keine Ahnung, oder er kann links und rechts nicht voneinander unterscheiden. Jedenfalls sagte Wark über den allseits bekannten RECHTSverteidiger Rafinha, als der VON RECHTS eine Flanke Richtung gegnerischen Strafraum schlug: „Rafinha… Ausnahmsweise mal auf der rechten Seite.“
Ist der Rest der geschilderten Punkte vielleicht noch unter „launige Brabbelei“ zu verbuchen, wird es hier kritisch für Herrn Wark. Denn man sollte schon etwas vom Thema der eigenen Reportage verstehen. Ansonsten gerät man leicht in den Verdacht, vielleicht aus anderen Gründen ans Mikrofon gelangt zu sein – vielleicht, weil man als Sohn von Ex-ZDF-Sportredakteur Oskar Wark über beste Verbindungen verfügt.

@Zu komplexe Satz-Gebilde sind des Reporters Ende:
„Wolfsburg 1995 zuletzt in einem Elfmeterschießen. Damals gegen Eintracht Frankfurt und Vestenbergsgreuth. (Laut Wark kann man also ein letztes Elfmeterschießen gegen zwei Teams gleichzeitig austragen, d.Red.) Aber heute heißt der Gegner – Wolfsburg!“ Logik und Sinn? Unbekannt.

Übrigens: Thomas Wark ist jüngst zur Belohnung für seine Leistungen in den EM-Reporterkader berufen worden – wie übrigens auch sein großer Konkurrent um die Auszeichnung „Wegschwätzer des Jahres“, Wolf-Dieter Poschmann. Und für so jemand zahlen wir Gebühren!

„Ich will auch mal was fragen!“

Veröffentlicht in TV am Januar 12, 2008 von MedienMister

Journalisten auf Pressekonferenzen lassen sich bequem in vier Arten unterteilen. Besonders gut zu beobachten war dies gestern auf der Pressekonferenz des FC Bayern München mit der Vorstellung von Jürgen Klinsmann als neuem Trainer. Da gibt es Journalisten, die sagen die ganze Zeit über nichts. Dann befinden sich in der Schar auch Teilnehmer, die kluge Fragen stellen. Diese haben meist mit einem fachspezifischen Thema zu tun. In diesem Fall zum Beispiel: „Wen werden Sie in Ihr Trainerteam aufnehmen?“ Weiterhin gibt es Journalisten, die überflüssige Fragen stellen, wie etwa: „Freut sich Ihre Mutter, dass sie ihre Enkel bald wieder öfter sehen kann?“ Dass der Botnanger Bäckersohn darauf mit „Nein!“ antworten würde, kann der geschätzte Fragesteller wohl nicht ernsthaft erwartet haben. Und was der Redakteur nun mit der von ihm hart erarbeiteten Antwort anfangen will, ist ebenfalls unklar.

Und dann gibt es noch ein paar Menschen, die zur Kategorie „Ich bin hier. Ich bin wichtig. Wichtiger als das Thema der heutigen Veranstaltung. Ich will unbedingt auch mal was fragen!“ gehören. Meist kommen solche Menschen aus dem Fernsehbereich. Gestern hörte man eine Frauenstimme in görenhaft rotzigem Ton fragen: „Herr Klinsmann, haben Sie eigentlich den Trainerschein?“ Es bedurfte nicht großer Medien-Affinität, um die 60-Zichten-am-Tag-Röhre einer gewissen Isabella Müller-Reinhardt zuzuordnen. Klinsmanns Reaktion auf diesen Wortmüll war wunderbar: Erst offenbarte sein Blick eine Unsicherheit darüber, ob er die Frage als persönliche Beleidigung auffassen sollte. Dann antwortete er lächelnd mit einem einfachen „Ja“. Doch der Tonfall legte ein unterschwelliges „So eine blöde Frage habe ich in meiner langen Karriere noch nie gehört“ nahe. Völlig zu Recht übrigens. Frau Müller-Reinhardt schob dann noch ein „Wir waren uns hier nicht sicher, ob Sie den Schein haben“ hinterher. Fraglich, wen die ehemalige 9Live-Schreierin damit meinte. Wahrscheinlich hatte sie eine Entourage aus ihrem privaten Umfeld mitgebracht und damit professionellen Kollegen den Platz weggenommen.

zapp3 findet: Leute wie Isabella Müller-Reinhardt sind eine Schande für den Beruf des Journalisten. Diesen Menschen geht es nicht ums Informieren von Zuschauern, Zuhörern, Lesern oder Usern. Es geht ihnen nicht darum, einen guten Job für ihre Zielgruppe zu machen. Diesen Menschen geht es nur um sich. Sie sind Selbstdarsteller, die ernsthaft glauben, nur weil sie mal eine Zeitlang Geldkoffer im TV verkloppt haben und optisch massenattraktiv erscheinen, seien sie tolle Journalisten. Hoffentlich nehmen solche Menschen im Journalismus nicht irgendwann überhand. Wehret den Anfängern!

Langeweile im Telezoo

Veröffentlicht in TV am Januar 9, 2008 von MedienMister

Gestern startete die neue Staffel von „Big Brother“, und Premiere machte seinen Abonnenten ein unwiderstehliches Angebot: Guckst du Big-Brother-Kanal zwei Tage für lau und kannst du krasse Menschen glubschen. Nachdem mich gestern noch eine unsichtbare Kraft davon abgehalten hatte, ging ich heute einen Kompromiss mit mir ein: 30 Minuten Tollhaus live, und dann ist aber mal gut.

Gleich nach dem Einschalten sehe ich einen dicken Mann in einer versifften Badewanne liegen und sich mit einem Schlauch abspritzen. Bei genauem Hinsehen stellt sich schnell heraus, dass der Siff nur an die Wanne dekoriert wurde – und zwar derartig schlecht, dass es einem auch ohne HD-Fernseher auffällt. Der Dicke beginnt sich mit einer Stimme aus dem Off über Tatoos zu unterhalten. „Auf den Popo lasse ich mir keines machen“, beruhigt die Off-Stimme den Zuschauer. Gott sei Dank, schließlich ist bei dem Oberbruder sonst fast kein Platz mehr am Körper unbemalt. „Was willst du dir da auch drauftätowieren?“ fragt der Dicke zu Recht, „schließlich sitzt du da ja jeden Tag drauf.“ Eine Logik, der man nur schwer widerstehen kann.

Schnitt. Jetzt befinden wir uns in der Armen-Küche und bestaunen einen coolen Jungspund mit Kopftuch, wie er ein Mittagessen zu zaubern versucht. Die Strategie des Gerichts wird dem Zuschauer nicht sofort klar. Er schneidet Gurken, kocht auf dem Herd ein paar Bockwürste und Reis und sagt einem Girl mit weggetretenem Gesichtsausdruck, sie solle gleich eine Sahnesauce dazu kochen. Vor ihm stehen verwirrenderweise zwei Dosen mit Hühnersuppe.

Schnitt. Jetzt befinden wir uns im Esszimmer. Das der Armen grenzt direkt an das der Reichen. „Reich“ bedeutet bei Big Brother: nicht-dreckdekorierte Waschbecken und Wein statt Limo. Wie lebensnah! Und Reiche wie Arme diskutieren lebhaft darüber, ob ein Zungenpiercing bei einer Frau die Eichel des Mannes besser stimuliert als ein ungelochter Lappen. Überhaupt: „Ich hatte mal einen Freund mit gepiercter Eichel. Der sagte mir, dass hätte ihm sehr weh getan“, hört man aus dem Off. Wie beruhigend. Da kann man richtig mitfühlen – vor allem als Mann.

Bin gespannt, wie so viel Lebensnähe gleich zu Beginn noch getoppt werden soll. Vielleicht jagt RTL2 ein paar Bauern durch die Anlage. Die könnte man bestimmt kurzfristig beim großen Bruder RTL ausborgen. Aber den Machern fällt bestimmt noch etwas Besseres ein. Da bin ich optimistisch. Eichel hin oder her.

„Zum Saubermachen Henkelsachen“

Veröffentlicht in Print, TV am Januar 4, 2008 von MedienMister

Die Zeit zwischen den Jahren hat einen großen Vorteil: Vor lauter Besinnlichkeit hat man plötzlich Zeit für Dinge, die man das ganze Jahr über aufgeschoben hat – DVDs gucken, zum Beispiel; oder Fernseh-Sendungen, die immer nur in der Weihnachtszeit ausgestrahlt werden und selbst zu diesem Zeitpunkt überflüssig sind. Und dann macht es viel Spaß, die TV-Berichterstattung in den Tageszeitungen zu konsumieren. Beispiele gefällig?

Im Bereich „DVD“ war für mich endlich die Zeit gekommen, um „The Good German“ zu gucken. Ein Film in Schwarz-Weiß, im Stil der 40er-Jahre, mit George Clooney in der Hauptrolle. Angesichts der heutigen Sekundenschnitt-Sehgewohnheiten bot der Streifen ein wunderbares Back-to-the-roots-Erlebnis. Den heimlichen Höhepunkt stellte allerdings eine schnöde Pappkiste dar. Auf der stand etwas, das auch nach mehrmaliger Wiederholung nur folgendermaßen zu entziffern war: „Zum Saubermachen Henkelsachen“ – Henkelsachen unterstrichen. Immer wieder klasse, wenn Amis einen Film machen wollen, der in Deutschland spielt. Da muss ja nicht immer alles einen Sinn ergeben – dachte ich. Doch etwas Recherche im Web ergab, dass es sich dabei tatsächlich um einen Perwoll-Slogan der damaligen Zeit handelte. Wieder schlauer geworden – Soderbergh sei Dank …

Neben der Wiederholung einiger Schimanski-Krimis (die guten aus den 80er-Jahren, wohlgemerkt) gab es zwei TV-Sendungen, die völlig grenzwertig und damit absolut sehenswert waren: das „Traumschiff“ mit Harald Schmidt und die Abschieds-Gala für Dieter Thomas Heck. Schmidt versuchte sich wieder mal aussichtslos als Schauspieler. Vielleicht dreht er bald mit seinem Liebling Pocher den Film „Der Idiot 2″. Das wäre den beiden bei aller latent vorhandenen Selbstüberschätzung durchaus zuzutrauen. Selbstüberschätzung und Schauspielerei – dies sind die Stichworte für einen ganz Großen der deutschen Fernsehunterhaltung: Dieter Thomas Heck. Der Mann glaubt tatsächlich, er könne die Hauptrolle in einem ZDF-Freitagskrimi spielen. Herrlich! Aber Wayne Carpendale spielt ja auch bald den „Landarzt“. Wer weiß, was uns darüberhinaus noch bevorsteht …

Herrlich war auch die Berichterstattung von Bild über die Heck-Gala. Da wurde die Anzahl der verteilten Bussis gezählt und hinterher besorgt gefragt, ob durch die Brachial-Busselei des erkälteten Heck nicht die gesamte Schlager-Gilde grippal infiziert worden sei. Volontären und sonstigen Interessierten, die wissen wollen, wie man als Boulevard-Journalist die Saure-Gurken-Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr kreativ überbrückt, sollten dringend den Online-Auftritt der Vier-Buchstaben-Kollegen aus der Caffamacherreihe besuchen. Prosit Neujahr!

Der ökonomischere Loriot

Veröffentlicht in TV am Dezember 4, 2007 von MedienMister

Neulich bei „Beckmann“ erhielt Olli Dittrich den Ritterschlag: Vicco von Bülow, der Meister der Satire höchstselbst, äußerte seine Bewunderung für den Mann, der Dittsche spielt und der mit beneidenswert viel Improvisationstalent ausgestattet sei. Wie nah die Kunstfigur Dittsche der Kunstfigur Loriot mittlerweile gekommen ist, zeigte sich in der Sendung vom letzten Sonntag. Dittsches Begründung, warum er ausnahmsweise einen anderen Bademantel trug und den Imbiss noch dazu ohne Hose betrat, erinnerte an eine der bekanntesten Nummern von Loriot: „Das schiefe Bild“.

Doch Olli Dittrich ist noch eine Stufe höher gegangen. Im Gegensatz zu von Bülow hat er sich mit den Gegebenheiten des heutigen Fernsehens arrangiert. Während der Altmeister nicht mehr im TV arbeiten will, weil ihm heute nicht mehr die nötige Zeit eingeräumt werde und das Geld für gute Produktionen fehle, macht Dittrich aus der Not eine Tugend. Er lässt Dittsche einfach seine Erlebnisse erzählen und den Rest die Phantasie der Zuschauer erledigen. Das macht dem Betrachter viel Spaß und spart nebenbei noch die Kosten für ein Set, das man zerlegen muss.

So wurde aus „Das Bild hängt schief“ bei Dittsche „Der Bademantel ist nass“, weil Dittsche bei Nachbar Westphal die Katze hütete, dabei an den jüngst verstorbenen Stuntman Evel Knievel denken musste, diesen mit einem mutigen Dreirad-Sprung über Westphals auf dem Wohnzimmertisch ausgelegte Fische ehren wollte und dabei eine Delle ins Aquarium fuhr. Wer Genaueres wissen will, sollte künftig unbedingt „Dittsche“ gucken!

Dick aufgetragen

Veröffentlicht in TV am November 29, 2007 von MedienMister

Wer sich am Dienstag Abend locker berieseln lassen will, ist bei der ARD gut aufgehoben. Da kommt „Der Dicke“ mit Dieter Pfaff; eine Serie, bei der alles irgendwie beschwingt und etwas abgehoben zuzugehen scheint, obwohl durchaus eine Menge zwischenmenschlicher Konflikte beschrieben werden. Diese manchmal etwas zu große Lockerheit liegt schon an der Grundidee: Menschenfreundlicher Anwalt vertritt bevorzugt Menschen ohne Geld und kann sich trotzdem eine schicke Wohnung in Hamburg samt teurer Anzüge leisten. Doch mit der Folge vom letzten Dienstag wollte Drehbuchautor Thorsten Näter wohl unbedingt den „far from reality award“ gewinnen. So etwas Blanko-Reales zeigt die ARD sonst nicht einmal im „Großstadtrevier“: Da überfällt ein Mandant vom „Dicken“ eine Bank und nimmt Geiseln. Die Polizei sperrt das Gelände weiträumig ab, die Anspannung erreicht ihren Höhepunkt. Doch während in Krimi-Serien jetzt irgendein Wichtigtuer in ein Funkgerät spricht und Anweisungen gibt, tritt in diesem Fall der „Dicke“ über die Absperrung und läuft mitten durch den gesicherten Bereich. Er betritt ungehindert die Bank und überredet seinen Mandanten letztendlich zur Aufgabe. Eigentlich hätten jetzt nur noch wie bei Regisseur John Woo ein paar Friedenstauben durch die Szenerie fliegen müssen – beim Gebührensender ARD hätten es auch ein paar Luftballons getan.

„Der Dicke“ ist wunderbar beruhigende Familienunterhaltung mit größtenteils sehr guten Darstellern. Doch wenn die Hauptfigur zu einem Superhelden hochstilisiert wird, macht die Serie schnell keinen Spaß mehr. Hoffentlich war’s vorgestern nur die Ausnahme.

Viel Zeit für nichts

Veröffentlicht in TV am November 26, 2007 von MedienMister

Das „Aktuelle Sportstudio“ hat einen unschlagbaren Vorteil gegenüber der „Sportschau“: Durch den späteren Sendezeitpunkt können spieltagsrelevante Ereignisse viel intensiver recherchiert und neue Erkenntnisse für die Zuschauer gewonnen werden – so lautet jedenfalls das Selbstverständnis des ZDF. Dass zwischen gut gemeint und gut gemacht oft Welten liegen, bewiesen die ZDF-Reporter Thomas Wark und Rolf Töpperwien am Samstag bei ihrer Berichterstattung über das Bundesliga-Spiel Bayern München gegen VfL Wolfsburg. Nachdem Bayern-Spieler Willy Sagnol bereits in der „Sportschau“ völlig überraschend seine Wechselabsichten bekanntgegeben hatte, erwartete der Zuschauer im „Aktuellen Sportstudio“ dann weitere Aufklärung. Die schien sich von höchst kompetenter Stelle anzubahnen, schließlich hatte Rolf Töpperwien Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld zum großen Interview vors Mikrofon gebeten.

Was dann jedoch folgte, lässt sich mit „Trauerspiel“ nur unzureichend umschreiben. Das große Interview war nicht live, sondern wurde zu einem Zeitpunkt aufgezeichnet, als Turbo-Töppi und Hitzfeld noch gar nichts von der Sagnol’schen Verbal-Eruption wissen konnten. An sich kein Problem – doch anstatt sich vom Bayern-Trainer später noch einmal ein Exklusiv-Statement zu holen, begnügte sich die Sportstudio-Redaktion mit der größtmöglichen Dünnbrett-Variante: Sie wiederholte einfach nur die Sagnol-Äußerung, die wir Zuschauer bereits aus der „Sportschau“ kannten. So ein „Sportstudio“ kann sich das ZDF künftig sparen und stattdessen Marianne & Michael senden. Auch Heino braucht ja zurzeit wohl etwas Kohle.