Archiv nach Kategorie "Print"

„Zum Saubermachen Henkelsachen“

Veröffentlicht in Print, TV am Januar 4, 2008 von MedienMister

Die Zeit zwischen den Jahren hat einen großen Vorteil: Vor lauter Besinnlichkeit hat man plötzlich Zeit für Dinge, die man das ganze Jahr über aufgeschoben hat – DVDs gucken, zum Beispiel; oder Fernseh-Sendungen, die immer nur in der Weihnachtszeit ausgestrahlt werden und selbst zu diesem Zeitpunkt überflüssig sind. Und dann macht es viel Spaß, die TV-Berichterstattung in den Tageszeitungen zu konsumieren. Beispiele gefällig?

Im Bereich „DVD“ war für mich endlich die Zeit gekommen, um „The Good German“ zu gucken. Ein Film in Schwarz-Weiß, im Stil der 40er-Jahre, mit George Clooney in der Hauptrolle. Angesichts der heutigen Sekundenschnitt-Sehgewohnheiten bot der Streifen ein wunderbares Back-to-the-roots-Erlebnis. Den heimlichen Höhepunkt stellte allerdings eine schnöde Pappkiste dar. Auf der stand etwas, das auch nach mehrmaliger Wiederholung nur folgendermaßen zu entziffern war: „Zum Saubermachen Henkelsachen“ – Henkelsachen unterstrichen. Immer wieder klasse, wenn Amis einen Film machen wollen, der in Deutschland spielt. Da muss ja nicht immer alles einen Sinn ergeben – dachte ich. Doch etwas Recherche im Web ergab, dass es sich dabei tatsächlich um einen Perwoll-Slogan der damaligen Zeit handelte. Wieder schlauer geworden – Soderbergh sei Dank …

Neben der Wiederholung einiger Schimanski-Krimis (die guten aus den 80er-Jahren, wohlgemerkt) gab es zwei TV-Sendungen, die völlig grenzwertig und damit absolut sehenswert waren: das „Traumschiff“ mit Harald Schmidt und die Abschieds-Gala für Dieter Thomas Heck. Schmidt versuchte sich wieder mal aussichtslos als Schauspieler. Vielleicht dreht er bald mit seinem Liebling Pocher den Film „Der Idiot 2″. Das wäre den beiden bei aller latent vorhandenen Selbstüberschätzung durchaus zuzutrauen. Selbstüberschätzung und Schauspielerei – dies sind die Stichworte für einen ganz Großen der deutschen Fernsehunterhaltung: Dieter Thomas Heck. Der Mann glaubt tatsächlich, er könne die Hauptrolle in einem ZDF-Freitagskrimi spielen. Herrlich! Aber Wayne Carpendale spielt ja auch bald den „Landarzt“. Wer weiß, was uns darüberhinaus noch bevorsteht …

Herrlich war auch die Berichterstattung von Bild über die Heck-Gala. Da wurde die Anzahl der verteilten Bussis gezählt und hinterher besorgt gefragt, ob durch die Brachial-Busselei des erkälteten Heck nicht die gesamte Schlager-Gilde grippal infiziert worden sei. Volontären und sonstigen Interessierten, die wissen wollen, wie man als Boulevard-Journalist die Saure-Gurken-Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr kreativ überbrückt, sollten dringend den Online-Auftritt der Vier-Buchstaben-Kollegen aus der Caffamacherreihe besuchen. Prosit Neujahr!

Hoch heben – tief fallen

Veröffentlicht in Print am November 7, 2007 von MedienMister

Dr. Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, hat recht. Qualität im Journalismus kommt von „Qual“. Soll heißen: Für eine journalistisch gehaltvolle Geschichte muss man hart arbeiten – Netzwerke nutzen, recherchieren und vieles mehr. Dass dieser Grundsatz immer mehr in Vergessenheit gerät, zeigt zurzeit besonders der deutsche Sportjournalismus. Beispiel-Thema Bayern München: Da erzielt dieser Verein in der Bundesliga zwei Mal in Folge kein Tor – schon ist von „Frust“ (Kicker, 5.11.) die Rede, werden die Minuten ohne Tor von Bayern-Stürmer Klose gezählt (Bild online, 6.11.), ist Bremen-Spielmacher Diego sowieso viel besser als Bayern-Pendant Ribéry (Sport-Bild, 7.11.). Wie gut, dass alle zusammen zuvor das Bayern-Team fälschlicherweise in galaktische Höhen befördert haben (11.8.-2.11.). Um so tiefer kann man es bei erster Gelegenheit stürzen lassen und viele leere Seiten füllen. Neben dem fachlichen Unsinn – zwischen den beiden torlosen Spielen fand ein DFB-Pokalspiel statt, in dem beide Bayern-Stürmer trafen – ist diese Vorgehensweise geradezu idealtypisch für einen Großteil des heutigen Sportjournalismus’: Es ist so wunderbar einfach, solcherlei Geschichten zu stricken. Gehaltvoll sind sie jedoch nicht – und interessant für den Leser auch nicht. Der ist nämlich nicht so blöd, wie ihn viele Sportredaktionen halten.

Riss im Segel

Veröffentlicht in Print am November 3, 2007 von MedienMister

Seit dem 5. Oktober dieses Jahres erscheint die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mit einem Bild auf der Titelseite; und seit diesem revolutionären Akt hat die Redaktion Probleme bei der Auswahl eines Bildes, das der Bedeutung gerecht wird. Das behauptet nicht irgendwer, das gab Werner D’Inka, einer der Herausgeber der FAZ, am 31.10. bei DWDL.de höchstselbst zu Protokoll. Wie hörig die Redaktion auf die Worte ihres Oberen reagiert, zeigte sie gleich in der Ausgabe des Folgetags. Hier zierte ein Riss im Sonnensegel der internationalen Raumstation ISS die erste Seite. An sich eine hübsche Idee, doch leider entschied man sich in der Redaktion „abgespacederweise“ gegen einen Zoom auf die entscheidende Stelle. Stattdessen überließ man dem Leser die Aufgabe, das luftleere Loch zu finden.

Bleibt nur die Erkenntnis: Bildsprache will gelernt sein – sogar in Frankfurt. Der MedienMister drückt für alle weiteren Versuche kräftig die Daumen und wird die weitere Entwicklung gespannt verfolgen.

Nachgerufen

Veröffentlicht in Print am Oktober 5, 2007 von MedienMister

Wenn im nächsten Universal-Lexikon der Begriff „Heuchelei“ erklärt wird, sollte in diesem Zusammenhang endlich mal die BILD-Zeitung erwähnt werden. Die erzürnt sich gerade auflagenwirksam darüber, dass die ARD für den kränkelnden Ober-Volksmusiker Heino bereits einen Nachruf verfasst hat. Dabei lebt der Haselnuss-Besinger noch! Unglaublich! Sittenverfall! Dass die ARD eine ganze Datenbank mit Nachrufen angelegt hat, um bei entsprechenden Ereignissen in ihren Nachrichten-Sendungen schnell reagieren zu können und das auch längst im eigenen Blog öffentlich gemacht hat, interessiert die Bald-Berliner nicht.

Nur nebenbei: Bereitet die BILD-Zeitung nicht immer wieder C-Promis ein Forum, um deren eigene Nachrufe vorab zu publizieren? Gerade kotzt sich in der Geifer-Gazette eine gewisse Frau Zambo medienwirksam aus und drückt den Lesern nebenbei noch ihre ehemaligen Brust-Implantate rein. Dann doch lieber noch ein bisschen „Schwarze Barbara“ …

AusgeBILDet

Veröffentlicht in Print am Juli 23, 2007 von MedienMister

Der größten deutschen Boulevard-Zeitung geht’s schlecht. Nur noch 3,4 Millionen Leser wollen täglich erfahren, was Witwe Wussow denkt und warum Mark Medlock Dieter Bohlen liebt. Medien-Experten empfehlen, die BILD solle sich wieder mehr um die A-Promis kümmern.

Doch wer ist heute ein A-Promi? Sabine Christiansen? Superfriseur Udo Walz? Oder dessen Hund? Schwere Zeiten für das BILD-Team.