Archiv nach Kategorie "Online"

Erst denken, dann schreiben!

Veröffentlicht in Online am November 17, 2007 von MedienMister

Großes Lob mal wieder für unsere Sportjournaille, weil sie sich so einmütig zeigt – beim voneinander Abschreiben. Jüngstes Beispiel ist der FC Bayern München und seine angeblich neue Abwehrspieler-Errungenschaft mit dem Künstlernamen Breno. Die Online-Sportmedien gingen dabei geradezu exemplarisch vor wie so häufig: „Es existiert ein Gerücht, und wir müssen es unbedingt bringen, weil die anderen bringen es ja auch, aber wir haben gar keine Infos über den Sachverhalt, egal, wir bringen es trotzdem und fügen einfach eine Pseudo-Info an, das merkt der Leser bestimmt nicht, weil das so gut klingt, obwohl es totaler Schwachsinn ist.“ So oder so ähnlich funktionieren leider die Gedankengänge vieler Online-Sportredakteure hierzulande. Wie anders ist zu erklären, dass von Bild über Sport1 bis Spox sämtliche Autoren zufällig auf denselben Gedanken kamen, die kolportierte Ablösesumme von 14 Millionen Euro mit den Summen für die vermeintlichen Mitspieler Toni und Klose zu vergleichen. Toni und Klose kosteten weniger, und da wurden unterschwellig die Fragen gestellt: „Darf ein 18-Jähriger mehr kosten als die Weltklasse-Spieler Toni und Klose? Zahlt Bayern zuviel?“

Ehrlich gesagt, solche Gedankengänge kann ich in bierseligen Stammtischrunden problemlos nachvollziehen. Doch von Sportjournalisten erwarte ich ein bisschen mehr Hirn beim Formulieren der Texte. Der Ablöse-Vergleich ist schlicht hirnrissig (von dem Rückschluss auf die fußballerische Qualität mal ganz zu schweigen): So ist nicht nur die Ablösesumme für den Kauf eines Spielers entscheidend, sondern das Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt über die Vertragslaufzeit. Und da dürfte Toni mit seinen angeblichen elf Millionen Euro Jahressalär im Paket weit vor Breno liegen. Das gleiche dürfte für Klose gelten. Dass die Damen und Herren Sportjournalisten über diesen Sachverhalt Bescheid wissen, will ich ihnen gerne zuschreiben. Doch dann ist der Grund für solche Pseudo-Infos klar: „Lass uns einfach mal ein paar Emotionen bei den Lesern schüren. Vielleicht ist dann sogar einer bereit, in unserem Forum einen Beitrag zu posten.“ Das hat für die Sportmenschen dann auch noch den Vorteil, dass sie die User-leeren Foren nicht mit unter Pseudonym selbst geschriebenen Beiträgen künstlich aufmotzen müssen. So werden Medien zum Selbstzweck, bei dem es nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um die Rechtfertigung von Technik geht. Und der Leser? Wird wieder mal für blöd verkauft.

Kleiner Tipp: Vielleicht beim nächsten Mal nicht gleich auf den Zug aufspringen, sondern erstmal Fakten sammeln. Wir Leser werden es euch danken – wenn wir euch dann noch lesen wollen.

Abzocke, aber richtig

Veröffentlicht in Online am August 3, 2007 von MedienMister

Anwälte verschicken selbstständig Abmahnungen wegen Verstößen gegen das Markenrecht oder wegen Urheberrechtsverletzungen – eigentlich ein alter Hut. Der Bäckermeister aus F. verwendet auf seiner Website ein Pumuckl-Bildchen und bekommt kurz darauf Post von irgendeinem Anwalt. Der hat meist mit der Gegenseite nichts zu tun und ist nur an einer dicken Honorarnote interessiert. So weit, so fies.

Im Medienbereich läuft das Ganze natürlich noch durchgeknallter: Da erhält ein Kollege eine Abmahnung wegen Verstoßes gegen das Marken- und Wettbewerbsrecht. Er wird aufgefordert, seine Website zu schließen und bestimmte Begriffe nicht mehr zu verwenden. Der Kollege ärgerte sich und zahlte. Schon einen Tag später erhält er über Xing eine Nachricht von dem Marketingchef des abmahnenden Unternehmens. Es täte ihm leid und er wisse von keiner Abmahnung. Leider könne er die Aktion nicht rückgängig machen, da es sich um einen Alleingang des Anwalts handele. Dumm gelaufen. Um noch eins drauf zu setzen, macht er das Angebot, die Website weiterzubetreiben und sogar noch das Logo des Unternehmens zu verwenden. Schön, dass wenigstens der Anwalt seine nächste Golfausrüstung finanziert hat.

Deutschland = Verbände-Land

Veröffentlicht in Online am Juli 24, 2007 von MedienMister

In Deutschland läuft alles stets gut organisiert ab. Das ist kein Klischee – das stimmt! Schließlich haben wir richtig viele Verbände hier. Ein ganz toller ist die ADS. Das ist keine ansteckende Krankheit (wobei sich hier sicherlich die Geister scheiden dürften), sondern die „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schlager und Volksmusik e.V.“. Auf deren Internetseiten finden sich in der Rubrik „Künstler für Ihre Feier“ Stars wie das „Duo Weltenbummler“, „Fernando Express“ und die „Gebrüder Blattschuss“ (ja, die gibt’s noch).

Doch noch viel wichtiger: Die ADS klagt jetzt gegen das ZDF, weil der Sender die Urgesteine Dieter Thomas Heck sowie Marianne & Michael ins Programm-Nirvana outsourcen will. Schön, dass es in diesem Lande für wirklich Jeden eine Lobby gibt.