Aus für “Schmidt & Pocher”

Posted in TV with tags , , , , , , on Dezember 27, 2008 by MedienMister

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Der Leser verzeihe mir bitte diesen emotionalen Einstieg. Aber gute Nachrichten sollten auch entsprechend gewürdigt werden dürfen. Wie Spiegel Online meldet, hat Schmidt-Produzent Fred Kogel das Ende für den Late-Night-Versuch “Schmidt & Pocher” angekündigt. Laut dem Geschäftsführer der Firma Kogel & Schmidt soll die Sendung im April 2009 auslaufen.

“Das war von vornherein ein zeitlich begrenztes Experiment – und zwar von beiden Seiten”, behauptet Kogel. Eine Begründung, die angesichts der widersprüchlichen Aussagen von Schmidt und Pocher in der letzten Zeit nicht unbedingt nachvollziehbar erscheint. Vor kurzem noch hatte Schmidt eine Verlängerung der gemeinsamen Zusammenarbeit in Erwägung gezogen. Als weiteren Grund für das Aus von “Schmidt & Pocher” nennt Kogel: “Schmidt spielt im Duo sein Potential nicht aus.”

Zu den weiteren Plänen erklärt Kogel gegenüber dem Spiegel: “Wir haben ganz klare Vorstellungen, wo wir hinwollen.” In einem Wahljahr “will man Schmidt auf einem Level sehen, das sonst im deutschen Fernsehen niemand liefert”. Es gehe darum, “die Comedy-Latte wieder höher zu legen in Richtung Anspruch und Intellekt, vergleichbar mit dem US-Polit-Komiker Jon Stewart – aber eben Harald Schmidt.”

zapp³ findet ein werktägliches Late-Night-Format mit 30 Minuten Länge und einer Mischung aus Standup und Einspielern optimal. Werktäglich bedeutet übrigens von Montag bis Freitag – nur als kleiner Hinweis für die ARD-Intendanten.

Dass es mit “Schmidt & Pocher” so nicht weitergehen konnte, war schon vor Kogels Ankündigung klar. Unübersehbar zeigte sich, dass die beiden nicht zueinander passen. Negativer Höhepunkt war die Intimsekret-Döschen-Nummer von Lady Bitch Ray Anfang dieses Jahres. Und dass die Menge an Parodien nicht gleichzeitig bedeutet, dass diese stimmig sind, sollte Pocher auch endlich begreifen. Zum Beispiel sollte ihm  jemand klarmachen, dass ein bloßes Augen zusammenkneifen und Trikot anziehen nicht automatisch eine tolle Oliver-Kahn-Parodie ergibt.

Bleibt nur zu hoffen, dass Schmidt sein altes Niveau überhaupt noch einmal erreichen kann. Und Pocher sollte endlich wieder dorthin gehen, wo er hingehört. Zu einer Sendergruppe mit überhöhten Rendite-Erwartungen, in der er nach spätestens einem halben Jahr von McKinsey wegrationalisiert und durch Jürgen Milski ersetzt wird.

Viele Dank für der Sendung

Posted in TV with tags , , , , , , , on August 27, 2008 by MedienMister

Für 30 Minuten hat die deutsche Sprache nur noch einen einzigen bestimmten Artikel – und der heißt “der”. Das ist nur eine von vielen Erkenntnissen, die uns “Der Popolski Show” letzten Sonntag beschert hat. Darüber hinaus konnte man feststellen, dass beim produzierenden WDR wohl jemand einen Nostalgischen bekommen zu haben scheint. Denn seit “Schmidteinander” hat man vom Kölner Sender nichts derart Anachristisches mehr zu sehen bekommen. Eigentlich kein Wunder. Hinter dieser Sendung steckt Achim Hagemann. Der hat Ende der 80-er Jahre schon “Total normal” mit Hape Kerkeling verbrochen. Wer die Sendung damals nicht gesehen hat, weiß spätestens beim Wort “Hurz”, was gemeint ist. Damals in der Volkshochschule am Klavier: Achim Hagemann (“May be, we could repeat the second set an play it.”).

Das Konzept von “Der Popolski Show” ist wunderbar beknackt: Eine polnische Familie aus Zabrze hackt sich ins WDR-Programm und produziert aus der heimischen Plattenbausiedlung im 12. Stock eine Late-Night-Show. Die hat nur ein einziges Ziel: die Welt darüber aufzuklären, dass es Opa Popolski war, der damals die Pop-Musik erfunden hat. Dabei kommt es immer wieder zu Sendeausfällen, die erholsamer sind als so manches andere Programm auf diesem Sendeplatz. Zum Beweis für ihre durchgeknallte Musiktheorie spielt die hauseigene Band aus einer Vielzahl von Brüdern und Neffen Hits wie “Sex Bomb” als Hochgeschwindigkeits-Polka. Außerdem singt hier nicht Tom Jones, der den Song ja eh nur geklaut hat, sondern der einzig wahre Tomek Popolski. Außerdem treten Gaststars auf, die gestehen, dass ihre Musik tatsächlich von Opa Popolski stammt. Dieses Mal war Thomas Anders via Dia-Leinwand zugeschaltet, der dann auch gleich den einzigen Song anstimmte, den er und Dieter Bohlen nicht für Modern Talking verwendet haben: “Ei Dobrze Dobrze Dralla” – ein Titel, den man ohne Probleme als legitimen Nachfolger von “Das ganze Leben ist ein Quiz” bezeichnen kann.

Insgesamt drei Folgen will der WDR von dieser Zwerchfell-erschütternden Show zeigen. Man kann nur hoffen, dass es noch einige mehr werden.

Nettes Detail am Rande: Fans der Götz-Alsmann-Band konnten bei “Der Popolski Show” erleben, was aus dem ehemaligen Mitglied Ludwig Götz geworden ist. Er ist jetzt auch ein Popolski und spielt in Zabrze die Posaune.

Kartellamt lehnt Bundesliga-Fernsehvertrag ab – und wer denkt an die Qualität?

Posted in Wirtschaft with tags , , , on Juli 24, 2008 by MedienMister

Heute hat das Kartellamt den TV-Vertrag zwischen Deutscher Fußball-Liga (DFL) und der Frau-Kirch-Firma Sirius abgelehnt. Begründung: Es müsse sichergestellt werden, dass die deutschen Fanshop-Besucher vor 20 Uhr eine Zusammenfassung der Spiele im Free-TV sehen können. Dann wiederum könne man auch mit der Zentralvermarktung leben. Interessante Argumentation. Denn eigentlich müssten sich jedem aufrechten Kartelli die gescheitelten Haare hochstellen, wenn er den Begriff “Zentralvermarktung” auch nur hört. Die widerspricht ja nun jedem Sinn von Wettbewerb.

Doch das eigentliche Ärgernis ist die rein quantitativ geführte Diskussion. Dabei wird – leider auch von vielen Medienleuten – gar nicht mehr berücksichtigt, dass mit Zustandekommen des Deals die redaktionelle Qualität extrem gefährdet wäre. Schließlich wollten Kirch und DFL ganz nebenbei ein eigenes Bundesliga-TV aufziehen, das dann künftigen Pay-TV-Rechteinhabern die komplette journalistische Dienstleistung in Bild und Ton abnehmen sollte. Dies wurde von den beiden Partnern sogar noch als Vorteil verkauft; schließlich könnten sich dadurch noch mehr Interessenten um dieses Rechtepaket bewerben.

Dass mit der Zentralredaktion auch jede Unabhängigkeit verloren gehen würde, war kein Thema. Warum auch? Fußball ist ein so schönes Spiel, da ist es doch egal, wer was wie produziert. So scheint jedenfalls die Denke der Funktionäre zu sein. Wohin eine hauseigene Fußball-Produktion führen kann, zeigte die Europameisterschaft im Juni. Hier hatte sich der europäische Fußballverband Uefa die Herstellung der Bewegtbilder vorbehalten. Ausschnitte von Fans in den Stadien wurden sorgfältig ausgefiltert. Fußball ist so schön, da soll bitteschön auch nur heile Welt gezeigt werden. Dass da mal ein Feuerchen im Block abgefackelt wird oder sich Fans in die Haare kriegen, wird von der Regie eilfertig abgewürgt.

Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie künftig die meist eh schon erbärmlichen Infield-Interviews nach den Spielen bei “Bundesliga-TV” ablaufen würden. Es dürften wohl kaum noch andere Fragen gestellt werden als “Wie fühlen Sie sich?” und “Wie läuft es sich in den schönen neuen Schuhen des Sponsors?”.

Um die technischen Risiken einer solchen Monopolisierung soll hier mal der Mantel des Testbilds gehüllt werden. Die sechs Minuten Sendepause beim EM-Spiel Deutschland gegen Türkei lassen herzlich grüßen.

ARD: Neue Idee fürs Quotenloch

Posted in TV with tags , , , , , , on Juli 15, 2008 by MedienMister

Zwischen 18:50 Uhr und 19:20 Uhr könnte man bei der ARD auch ein Testbild senden. Das würde Gebührengelder sparen und die bisher erzielten Marktanteile bestimmt toppen. Die Neuauflage eines Uralt-Quiz’ namens “Pssst…” brachte ebenso wenig Erfolg wie die turbo-schleimige Anbiederei ans Privat-Publikum namens “Bruce”. Die Quintessenz aus diesen an Phantasielosigkeit nicht zu überbietenden redaktionellen Leistungen: Drama, Drama, Drama!

Doch jetzt soll Abhilfe geschaffen werden. Laut kress plant die ARD eine neue Serie, die anscheinend sehr durchdacht ist und in keinen Rahmen passt. Sie läuft über 200 Folgen, sei aber laut Sender “keine Telenovela”. Es geht um eine Frau, die sich gegen die Übernahme ihrer Firma durch Heuschrecken zur Wehr setzt, was aber laut kress “locker, leicht und unterhaltsam daherkommen” soll. Vielleicht können ja ein paar (ehemalige) Nokia-Mitarbeiter aus Bochum darüber lachen. Wie gesagt, man könnte auch ein Testbild senden…

Wolfsburg gegen Wolfsburg = Wark

Posted in TV on Januar 31, 2008 by MedienMister

Kaum ist der Fußball aus seinem Winterschlaf erwacht, schon drängen wieder Gestalten ans Mikrofon, die dort nachweislich nichts zu suchen haben. Der absolute Prototyp dieser Gilde nennt sich “Thomas Wark” (wenn dieser Name denn stimmt oder richtig ausgesprochen wird). Dieser Mann, der “Fachmann” andauernd mit “fachfremd” verwechselt, hat gestern wieder zugeschlagen: bei der Übertragung des DFB-Pokal-Spiels Wolfsburg gegen Schalke. Hier ein kurzes Arbeitsprotokoll:

@Namen:
Mit Abstand Warks häufigste Fehlerquelle. Bei jedem anderen würde man entschuldigend eine kurze Konzentrationsschwäche annehmen. Wark ist dagegen aufgrund der andauernden Häufigkeit langsam wohl ein Logopäde zu empfehlen. Den brasilianischen Spieler Grafite spreche man “Grafitsch” aus. Diese investigative Errungenschaft präsentierte uns Wark in einer seiner vorhergehenden Meisterreportagen. Und wir glauben ihm gerne. Gestern hieß Grafite erst “Grafitsch”, dann “Grafitsche”, nochmal “Grafitsche” und wieder “Grafitsch”. Spricht für Wark, dass er sich immerhin nur zwischen zwei Varianten nicht entscheiden kann.
Nächster Fall: der Brasilianer Josue. Wie der korrekt auf Portugiesisch ausgesprochen wird, verriet uns Wark gestern leider nicht. Das von ihm gewählte “Joshua” dürfte es aber bestimmt nicht sein.
Besonders schön gelang ihm die Aussprache des Wolfsburgers Karimow. Hierbei entfleuchte ihm ein rollendes R, gefolgt von mehreren nicht zuordenbaren Vokalen, noch dazu in leicht gelallter Form. Wunderbar! Der Autor dieser Zeilen verstand in etwa “Krrrrrrimoaa”. Vielleicht handelt es sich dabei um eine bisher unbekannte Tennisspielerin aus der Slowakei, die Wark exklusiv entdeckt hat?
Fast schon vernachlässigenswert erscheint dagegen das “Kschünowack” anstelle des korrekten “Kschünoweck” für das polnische Konsonanten-Wunder Krzynowek.

@Zuschauer für blind (und damit blöd) halten:
Wahrscheinlich hat Wark im Winter die Zeit genutzt und eine zünftige Reporter-Nachhilfestunde genommen. Dabei hat man ihm wohl gesagt: “Du musst immerzu Spannung in deinen Reportagen aufbauen!” Und wie der eifrige Thomas ist, hat er das gleich befolgt – leider in völlig überzogener Weise: Da schießt Schalke ein Tor, indem der Schuss des Gelsenkircheners abgefälscht und der gegnerische Torhüter Benaglio angeschossen wird. Von da aus prallt der Ball für alle nicht abgelenkten oder total besoffenen Zuschauer ersichtlich ins Tor. Und so kommentierte der eifrige Wark die Szene:
“Was ist das für’n Tor? (…) Peter Löwenkrands lässt sich feiern, aber ist er auch der Torschütze? (Huihuihui, zitterzitterzitter, spannende Sekunden bis zur Auflösung vergehen, d.Red.) (…) Benaglio wird angeschossen!”

@Fachlich kompletten Schwachsinn daherreden:
Auch dies ist eine Spezialität, die Wark immer wieder gelingt. Gestern hatte er entweder keine Ahnung, oder er kann links und rechts nicht voneinander unterscheiden. Jedenfalls sagte Wark über den allseits bekannten RECHTSverteidiger Rafinha, als der VON RECHTS eine Flanke Richtung gegnerischen Strafraum schlug: “Rafinha… Ausnahmsweise mal auf der rechten Seite.”
Ist der Rest der geschilderten Punkte vielleicht noch unter “launige Brabbelei” zu verbuchen, wird es hier kritisch für Herrn Wark. Denn man sollte schon etwas vom Thema der eigenen Reportage verstehen. Ansonsten gerät man leicht in den Verdacht, vielleicht aus anderen Gründen ans Mikrofon gelangt zu sein – vielleicht, weil man als Sohn von Ex-ZDF-Sportredakteur Oskar Wark über beste Verbindungen verfügt.

@Zu komplexe Satz-Gebilde sind des Reporters Ende:
“Wolfsburg 1995 zuletzt in einem Elfmeterschießen. Damals gegen Eintracht Frankfurt und Vestenbergsgreuth. (Laut Wark kann man also ein letztes Elfmeterschießen gegen zwei Teams gleichzeitig austragen, d.Red.) Aber heute heißt der Gegner – Wolfsburg!” Logik und Sinn? Unbekannt.

Übrigens: Thomas Wark ist jüngst zur Belohnung für seine Leistungen in den EM-Reporterkader berufen worden – wie übrigens auch sein großer Konkurrent um die Auszeichnung “Wegschwätzer des Jahres”, Wolf-Dieter Poschmann. Und für so jemand zahlen wir Gebühren!

“Ich will auch mal was fragen!”

Posted in TV on Januar 12, 2008 by MedienMister

Journalisten auf Pressekonferenzen lassen sich bequem in vier Arten unterteilen. Besonders gut zu beobachten war dies gestern auf der Pressekonferenz des FC Bayern München mit der Vorstellung von Jürgen Klinsmann als neuem Trainer. Da gibt es Journalisten, die sagen die ganze Zeit über nichts. Dann befinden sich in der Schar auch Teilnehmer, die kluge Fragen stellen. Diese haben meist mit einem fachspezifischen Thema zu tun. In diesem Fall zum Beispiel: “Wen werden Sie in Ihr Trainerteam aufnehmen?” Weiterhin gibt es Journalisten, die überflüssige Fragen stellen, wie etwa: “Freut sich Ihre Mutter, dass sie ihre Enkel bald wieder öfter sehen kann?” Dass der Botnanger Bäckersohn darauf mit “Nein!” antworten würde, kann der geschätzte Fragesteller wohl nicht ernsthaft erwartet haben. Und was der Redakteur nun mit der von ihm hart erarbeiteten Antwort anfangen will, ist ebenfalls unklar.

Und dann gibt es noch ein paar Menschen, die zur Kategorie “Ich bin hier. Ich bin wichtig. Wichtiger als das Thema der heutigen Veranstaltung. Ich will unbedingt auch mal was fragen!” gehören. Meist kommen solche Menschen aus dem Fernsehbereich. Gestern hörte man eine Frauenstimme in görenhaft rotzigem Ton fragen: “Herr Klinsmann, haben Sie eigentlich den Trainerschein?” Es bedurfte nicht großer Medien-Affinität, um die 60-Zichten-am-Tag-Röhre einer gewissen Isabella Müller-Reinhardt zuzuordnen. Klinsmanns Reaktion auf diesen Wortmüll war wunderbar: Erst offenbarte sein Blick eine Unsicherheit darüber, ob er die Frage als persönliche Beleidigung auffassen sollte. Dann antwortete er lächelnd mit einem einfachen “Ja”. Doch der Tonfall legte ein unterschwelliges “So eine blöde Frage habe ich in meiner langen Karriere noch nie gehört” nahe. Völlig zu Recht übrigens. Frau Müller-Reinhardt schob dann noch ein “Wir waren uns hier nicht sicher, ob Sie den Schein haben” hinterher. Fraglich, wen die ehemalige 9Live-Schreierin damit meinte. Wahrscheinlich hatte sie eine Entourage aus ihrem privaten Umfeld mitgebracht und damit professionellen Kollegen den Platz weggenommen.

zapp3 findet: Leute wie Isabella Müller-Reinhardt sind eine Schande für den Beruf des Journalisten. Diesen Menschen geht es nicht ums Informieren von Zuschauern, Zuhörern, Lesern oder Usern. Es geht ihnen nicht darum, einen guten Job für ihre Zielgruppe zu machen. Diesen Menschen geht es nur um sich. Sie sind Selbstdarsteller, die ernsthaft glauben, nur weil sie mal eine Zeitlang Geldkoffer im TV verkloppt haben und optisch massenattraktiv erscheinen, seien sie tolle Journalisten. Hoffentlich nehmen solche Menschen im Journalismus nicht irgendwann überhand. Wehret den Anfängern!

Langeweile im Telezoo

Posted in TV on Januar 9, 2008 by MedienMister

Gestern startete die neue Staffel von “Big Brother”, und Premiere machte seinen Abonnenten ein unwiderstehliches Angebot: Guckst du Big-Brother-Kanal zwei Tage für lau und kannst du krasse Menschen glubschen. Nachdem mich gestern noch eine unsichtbare Kraft davon abgehalten hatte, ging ich heute einen Kompromiss mit mir ein: 30 Minuten Tollhaus live, und dann ist aber mal gut.

Gleich nach dem Einschalten sehe ich einen dicken Mann in einer versifften Badewanne liegen und sich mit einem Schlauch abspritzen. Bei genauem Hinsehen stellt sich schnell heraus, dass der Siff nur an die Wanne dekoriert wurde – und zwar derartig schlecht, dass es einem auch ohne HD-Fernseher auffällt. Der Dicke beginnt sich mit einer Stimme aus dem Off über Tatoos zu unterhalten. “Auf den Popo lasse ich mir keines machen”, beruhigt die Off-Stimme den Zuschauer. Gott sei Dank, schließlich ist bei dem Oberbruder sonst fast kein Platz mehr am Körper unbemalt. “Was willst du dir da auch drauftätowieren?” fragt der Dicke zu Recht, “schließlich sitzt du da ja jeden Tag drauf.” Eine Logik, der man nur schwer widerstehen kann.

Schnitt. Jetzt befinden wir uns in der Armen-Küche und bestaunen einen coolen Jungspund mit Kopftuch, wie er ein Mittagessen zu zaubern versucht. Die Strategie des Gerichts wird dem Zuschauer nicht sofort klar. Er schneidet Gurken, kocht auf dem Herd ein paar Bockwürste und Reis und sagt einem Girl mit weggetretenem Gesichtsausdruck, sie solle gleich eine Sahnesauce dazu kochen. Vor ihm stehen verwirrenderweise zwei Dosen mit Hühnersuppe.

Schnitt. Jetzt befinden wir uns im Esszimmer. Das der Armen grenzt direkt an das der Reichen. “Reich” bedeutet bei Big Brother: nicht-dreckdekorierte Waschbecken und Wein statt Limo. Wie lebensnah! Und Reiche wie Arme diskutieren lebhaft darüber, ob ein Zungenpiercing bei einer Frau die Eichel des Mannes besser stimuliert als ein ungelochter Lappen. Überhaupt: “Ich hatte mal einen Freund mit gepiercter Eichel. Der sagte mir, dass hätte ihm sehr weh getan”, hört man aus dem Off. Wie beruhigend. Da kann man richtig mitfühlen – vor allem als Mann.

Bin gespannt, wie so viel Lebensnähe gleich zu Beginn noch getoppt werden soll. Vielleicht jagt RTL2 ein paar Bauern durch die Anlage. Die könnte man bestimmt kurzfristig beim großen Bruder RTL ausborgen. Aber den Machern fällt bestimmt noch etwas Besseres ein. Da bin ich optimistisch. Eichel hin oder her.

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